in den vergangenen Wochen habe ich einige Tage in der Geschäfts- und Beratungsstelle des
VPSM in Wiesbaden verbracht und möchte meine
Eindrücke gerne mit Ihnen teilen.
Wie kam es dazu, dass ich mich am 09. September 2011 erstmals aus
der größten Stadt im
Ruhrgebiet, dem Trainingsstandort des seit drei
Jahren auch international ungeschlagenen
Deutschlandachters und der
Heimat des amtierenden Deutschen Meisters im Fußball auf den
Weg nach Wiesbaden zum VPSM gemacht habe?
Mein Name ist Sonja Ziegler und ich bin
eine 25-jähre Studentin der
Sozialen Arbeit im 3. Semester an der Fachhochschule in
Dortmund. Wenn Ihnen mein Nachname möglicherweise bekannt
vorkommt, trauen Sie sich
ruhig die Verbindung zu Ihrem Kollegen
Michael Ziegler, der den VPSM an den Standorten
Dortmund/Hagen/Schwerte vertritt, zu ziehen: ich bin seine Tochter. Somit erklärt sich auch,
wie mein Kontakt zum VPSM zustande kam und sich mir neue Möglichkeiten
zur
Praxiserfahrung und neuem Theoriewissen geboten haben. Ich bin sehr glücklich über diesen
Kontakt, denn neben dem Fachwissen habe ich viele sehr nette Menschen kennen gelernt und
erlebt, dass Beratung nicht nur in sterilen Bürogebäuden mit einer Distanz von mindestens
einem Schreibtisch zwischen Berater und Klient stattfinden muss oder kann.
Sind Sie schon einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum VPSM gefahren? Um diesen zu
erreichen, steigen Sie an der Bushaltestelle in Wiesbaden aus, an der sich der Eindruck
erweckt, dass sich weit und breit nichts mehr außer Land und Wiese befindet. Doch gleich
hinter den Obstbäumen rechts und der schönen Aussicht links erstreckt sich der Burgacker 70.
Die frische Luft tat gut, schließlich erwartete ich an einem Fortbildungstag lange in
geschlossenen Räumen sitzen
zu müssen. Am Grundstück angekommen, wurde ich gleich von
einem großen, bellenden Hund empfangen und war froh, dass ich keine Angst vor diesen
Tieren habe. In diesem Moment fragte ich mich, wie andere Ankömmlinge die
große Spiellust
von dem jungen Schäferhund Ben auffassten?
An diesem Freitag fand die Fortbildung "Juristische Möglichkeiten und Grenzen
bei
Konflikten und Mobbing am Arbeitsplatz Teil I" mit Christoph Kluss statt. Überraschend
waren für mich meine ersten kleinen Aufgaben: die Tische und
Stühle sauber machen und
draußen im einem Stuhlkreis hinstellen.
Zu meiner Freude (schließlich war gutes Wetter)
würde die Fortbildung
anscheinend draußen stattfinden. Diese war gut besucht: Herr Kluss
referierte vor knapp 20 Personen. Jede hatte die Möglichkeit ihr Anliegen kurz darzustellen
und direkt von Herrn Kluss rechtlich beraten zu werden. Somit
hatten alle Teilnehmer und
Teilnehmerinnen die Möglichkeit ihr Wissen auch
durch die anderen Fälle zu erweitern. Es
war die perfekte Kombination aus
Theorie und Praxis, zudem hatten alle Fragenden Lösungen
für ihren eigenen Fall! In den Pausen wurde das schöne große Außengelände erkundet, vom
Baum gefallene Wal- und Haselnüsse gesammelt oder sich unter fachkundiger Anleitung
mittels Bewegungstherapie gelockert und aktiviert. Das Seminar fand
viel Zuspruch: das
Feedback war super.
Einige Wochen später reiste ich erneut zum VPSM nach Wiesbaden, um im
Rahmen einer
kleinen Hospitation weitere Einblicke gewinnen zu können.
Ich hatte Glück in diesen drei
Tagen unterschiedlichste Beratungsgespräche miterleben zu dürfen: in den Erst-, Folge-, oder
Schlichtungsgesprächen konnte
ich neben dem Facettenreichtum wichtige Vorgehensweisen
in dieser Arbeit
kennen lernen: z.B. ein Erstgespräch, in dem sich zwei Arbeitskolleginnen in
gut bezahlten Positionen trauten, trotz konkreten Lösungsmöglichkeiten und
selbstgebackenem Pflaumenkuchen unsererseits, eine beschämend geringe
„Aufwandsentschädigung“ zu zahlen. Oder ein Erstgespräch, in dem vor Beginn
des
tatsächlichen Beratungsgesprächs aus Empörung über die „lange Wartezeit“ neben Angst- und
Engegefühl die „Flucht ergriffen“ wurde. Zu meinem Erstaunen hatte Lothar Drat Letzteres
oder ähnliche „Ausnahmesituationen“ nach kurzem Kontakt mit dieser Klientin übrigens
schon vorausgesehen. Was wir nicht voraussehen konnten war das Ergebnis eines
Schlichtungsgesprächs zwischen einem Chef und seiner Arbeitnehmerin. Für beide Seiten
wurden in diesem
Prozess sehr gute Schlichtungsangebote/-ergebnisse ausgehandelt. Von
Lothar Drat wurde ich in die Raffinesse von Aushandlungsstrategien und der
Gesprächsführung eingeführt und habe gelernt, alles Vereinbarte so schnell wie möglich (!)
schriftlich festzuhalten. Der Höhepunkt war das friedliche Auseinandergehen der beiden
Streitpateinen, welches nur durch ein Missverständnis zwischen Lothar Drat und mir zustande
kam:
während sich Lothar Drat Am Burgacker gemeinsam mit dem Chef um eine Schlichtung
bemühte, interpretierte ich ein vereinbartes Signalzeichen falsch und ließ die Arbeitnehmerin
in die Beratungsstelle kommen. Beide sind sich seit
Monaten bewusst aus dem Weg gegangen
und die angespannte Atmosphäre
ließ fast Gläser zerspringen. Doch die ungeplante Situation
bot auch eine
Chance, z.B. sich einmal deutlich zu machen, dass das Arbeitsverhältnis viele
Jahre gut funktioniert hat, welche positiven Eigenschaften der andere hat oder einander
wieder in die Augen schauen zu können. Und diese Chance haben beide genutzt!
Ende gut- alles gut? Fast! Freitags war ursprünglich der zweite Teil der
juristischen
Fortbildung mit dem Referenten Bernd Sehring geplant, welche
mangels Teilnehmerzahlen
leider abgesagt werden musste. Diese Situation verschaffte mir nach der Kopfanstrengung der
letzten Tage dann auch den körperlichen Ausgleich, denn ich durfte mich bei herrlichem
Wetter mit dem Rasenmäher im Garten bewegen.
Beim VPSM ist eben immer etwas zu tun - es ist vielseitig - und es macht richtig Spaß!
Vielen Dank, Lothar!
Sonja Ziegler
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