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  Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbling  
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Mobbing am Arbeitsplatz

Kreative und innovative Mitarbeiter werden Opfer von Mobbing-Attacken.
Die Gründe: Neid und Unzufriedenheit. Betroffene sollten sich Hilfe von
außen holen. Mobbing schadet aber auch dem gesamten Unternehmen.

Jeder kann zur Zielscheibe werden

Stefanie Reinhardt

STUTTGART. Wirtschaftskrise, Mehrarbeit, steigender Druck und die Angst
um den Arbeitsplatz – wenn der Stress und die Arbeitsbelastung im Berufsalltag
zunehmen, häufen sich oft auch Konflikte zwischen Mitarbeitern. Hinter dem
Rücken wird schlecht über einen Kollegen gesprochen, Blicke oder Gesten sind
abwertend, Gerüchte werden verbreitet, ein Kollege wird wie Luft behandelt.
Wenn solche Angriffe auf einen Kollegen systematisch werden und über Wochen
dauern, dann ist die Grenze von einer Gemeinheit zum Mobbing überschritten.

Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden
kümmert sich um solche Fälle. In den vergangenen Monaten hat er jedoch sogar
weniger Mobbing-Opfer beraten. „Schockstarre in der Krise“ nennt er das.
„Jeder hat große Angst um seinen Arbeitsplatz.“

Erst seit wenigen Wochen suchen wieder mehr Betroffene bei ihm Hilfe. „Jeden
vierten trifft es einmal auf seinem beruflichen Weg“, kennt der Sozialpädagoge
die Statistik. Und: „Jeder kann zur Zielscheibe werden.“ Betroffen seien
aber häufig besonderes innovative und kreative Mitarbeiter. „Der Grund fürs
Mobben ist in solchen Fällen (häufig) einfach Neid.“ Doch laut Drat können
nicht nur die Kollegen, sondern auch der eigene Chef zum Mobber werden.
„Das passiert oft bei Führungswechseln“, erzählt er.
„Dann geraten die Mitarbeiter in den Blickwinkel des Chefs, die leistungsstark
sind und seine Schwächen erkennen könnten.“ Unter Mobbing fällt auch,
wenn der Vorgesetzte die Arbeitsleistung eines Mitarbeiters über längere Zeit
falsch oder kränkend beurteilt.

Mit Mobbing soll ein Kollege oder Untergebener aus dem Arbeitsverhältnis oder
der Gemeinschaft herausgeworfen werden, sagt der Verein in Wiesbaden.
Die Folgen können für den Betroffenen hart sein.
Sie reichen von Nervosität und Krankheit bis hin zu Depressionen und
Persönlichkeitsveränderungen. Doch Mobbing habe auch negative Folgen für
den Arbeitgeber: Das Betriebsklima könne sich verschlechtern, Motivation
und Leistungsbereitschaft sinken. Fehlzeiten, Krankenstände, innere Kündigung
und hohe Fluktuation könnten das Unternehmen Geld kosten.
Finanzexperten schätzen, dass der wirtschaftliche Schaden in Deutschland
pro Jahr bei rund 25 Mrd. Euro liegt. Mobbing schädige zudem das Ansehen des Unternehmens.

Betroffenen empfiehlt Lothar Drat, sich Hilfe von außen zu suchen (siehe Kasten
und Interview auf dieser Seite). Eine Chance auf Besserung könnte in Schlichtungen liegen. „Dieser außergerichtliche Weg ist meist kürzer und erfolgreicher“, betont Drat. Prozesse vor dem Arbeitsgericht dauerten oft bis zu drei Jahren. „Mobbing ist im Sinne unseres Rechtssystems eben nur schwer beweisbar.“




1. Wer wird im Berufsleben zur Zielscheibe von Mobbing?

Extrem betroffen von Mobbing sind Mitarbeiter, von denen man es nicht
erwartet: Meist trifft es sehr leistungsstarke, innovative oder kreative
Mitarbeiter. Da spielt der Neid-Faktor eine Rolle. Grundsätzlich kann
aber jeder zur Zielscheibe von Mobbing werden.

2. Wann wird eine Gemeinheit zum Mobbing?

Beim Mobbing müssen mehrere Kriterien gleichzeitig erfüllt sein: Die gleiche
Handlung muss mit System ständig wiederholt werden. Das Ziel ist, den anderen abzuschießen und auszugrenzen. Zum Beispiel permanent unberechtigte Kritik.
Wenn jemand seine Meinung sagt, ist das noch kein Mobbing. Einmalige Konflikte,
die unter Stress entstehen, sind noch kein Mobbing. Von Mobbing sollte man nicht
zu früh sprechen.

3. Wie wehrt man sich?

Mobbing-Opfer sollten auf den Angreifer zugehen und ihn zur Rede stellen.
„Worum geht es hier?“ oder „Was wünscht Sie sich von mir?“. Mit diesen
Fragen zwingt der Betroffene den Angreifer zu einer Aussage. Wenn
darauf keine Verbesserung folgt, sollte er sich Rat bei Freunden oder
Verbündeten holen, die Lage besprechen. Hört das Mobbing nicht auf,
sollte man sich professionelle Hilfe holen.



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