STUTTGART. Wirtschaftskrise, Mehrarbeit,
steigender Druck und die Angst
um den Arbeitsplatz – wenn der Stress
und die Arbeitsbelastung im Berufsalltag
zunehmen, häufen sich oft auch
Konflikte zwischen Mitarbeitern. Hinter
dem
Rücken wird schlecht über einen
Kollegen gesprochen, Blicke oder
Gesten sind
abwertend, Gerüchte werden
verbreitet, ein Kollege wird wie
Luft behandelt.
Wenn solche Angriffe
auf einen Kollegen systematisch werden
und über Wochen
dauern, dann ist
die Grenze von einer Gemeinheit zum
Mobbing überschritten.
Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen
Stress und Mobbing in
Wiesbaden
kümmert sich um solche
Fälle. In den vergangenen Monaten hat
er jedoch sogar
weniger Mobbing-Opfer
beraten. „Schockstarre in der Krise“
nennt er das.
„Jeder hat große Angst
um seinen Arbeitsplatz.“
Erst seit wenigen Wochen suchen
wieder mehr Betroffene bei ihm Hilfe. „Jeden
vierten trifft es einmal auf seinem
beruflichen Weg“, kennt der
Sozialpädagoge
die Statistik. Und: „Jeder
kann zur Zielscheibe werden.“
Betroffen
seien
aber häufig besonderes innovative
und kreative Mitarbeiter. „Der
Grund fürs
Mobben ist in solchen Fällen (häufig)
einfach Neid.“ Doch laut Drat
können
nicht nur die Kollegen, sondern
auch der eigene Chef zum Mobber
werden.
„Das passiert oft bei Führungswechseln“,
erzählt er.
„Dann geraten
die Mitarbeiter in den Blickwinkel
des Chefs, die
leistungsstark
sind
und seine Schwächen erkennen könnten.“
Unter Mobbing
fällt auch,
wenn
der Vorgesetzte die Arbeitsleistung eines
Mitarbeiters über
längere Zeit
falsch oder kränkend beurteilt.
Mit Mobbing soll ein Kollege oder
Untergebener
aus dem Arbeitsverhältnis
oder
der Gemeinschaft herausgeworfen
werden, sagt der Verein
in
Wiesbaden.
Die Folgen können für den
Betroffenen hart sein.
Sie reichen von
Nervosität und Krankheit bis hin zu
Depressionen und
Persönlichkeitsveränderungen.
Doch Mobbing habe auch
negative
Folgen für
den Arbeitgeber: Das Betriebsklima
könne sich verschlechtern,
Motivation
und Leistungsbereitschaft
sinken. Fehlzeiten, Krankenstände, innere
Kündigung
und hohe Fluktuation
könnten das Unternehmen Geld kosten.
Finanzexperten schätzen, dass der
wirtschaftliche Schaden in Deutschland
pro Jahr bei rund 25 Mrd. Euro
liegt. Mobbing schädige zudem das
Ansehen des Unternehmens.
Betroffenen empfiehlt Lothar Drat,
sich Hilfe von außen zu suchen (siehe
Kasten
und Interview auf dieser Seite).
Eine Chance auf Besserung könnte in
Schlichtungen liegen. „Dieser außergerichtliche
Weg ist meist kürzer und erfolgreicher“,
betont Drat. Prozesse vor
dem Arbeitsgericht dauerten oft bis zu
drei Jahren. „Mobbing ist im Sinne unseres
Rechtssystems eben nur schwer
beweisbar.“

1. Wer wird im Berufsleben zur
Zielscheibe von Mobbing?
Extrem betroffen von Mobbing sind
Mitarbeiter, von denen man es nicht
erwartet: Meist trifft es sehr leistungsstarke,
innovative oder kreative
Mitarbeiter. Da spielt der Neid-Faktor
eine Rolle. Grundsätzlich kann
aber jeder zur Zielscheibe von Mobbing
werden.
2. Wann wird eine Gemeinheit
zum Mobbing?
Beim Mobbing müssen mehrere Kriterien
gleichzeitig erfüllt sein:
Die
gleiche
Handlung muss mit System
ständig wiederholt werden. Das Ziel
ist, den anderen abzuschießen und
auszugrenzen. Zum Beispiel permanent
unberechtigte Kritik.
Wenn jemand
seine Meinung sagt, ist das
noch kein Mobbing. Einmalige Konflikte,
die unter Stress entstehen, sind
noch kein Mobbing. Von Mobbing
sollte man nicht
zu früh sprechen.
3. Wie wehrt man sich?
Mobbing-Opfer sollten auf den Angreifer
zugehen und ihn zur Rede stellen.
„Worum geht es hier?“ oder „Was
wünscht Sie sich von mir?“. Mit diesen
Fragen zwingt der Betroffene den
Angreifer zu einer Aussage. Wenn
darauf
keine Verbesserung folgt, sollte er
sich Rat bei Freunden oder
Verbündeten
holen, die Lage besprechen.
Hört das Mobbing nicht auf,
sollte
man sich professionelle Hilfe holen.
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