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  Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbling  
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Mobbing- Millionen leiden am Arbeitsplatz


Die Zahl ist alarmierend: Jeder fünfte Berufstätige fühlt sich gemobbt oder wurde bereits Opfer einer solchen Attacke. Das ergab eine Umfrage der Apotheken Umschau. Der Psychoterror hinterlässt oft seelische Wunden und massive gesundheitliche Störungen. Was sind die Ursachen? Welchen Schutz gibt es?

Sabine Kistler hat durch jahrelanges Mobbing so ziemlich alles verloren, was ihr wichtig war, ihren Traumjob als Kindergartenleiterin, Freunde und Bekannte.

Heute hat die 55-Jährige wieder eine Perspektive. Sie hat einen Schlussstrich gezogen und eine Ausbildung zur Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberaterin fast abgeschlossen.

Aber die zurückliegenden Jahre waren die Hölle“, erzählt sie. Die Mobbingattacken
kamen für sie aus heiterem Himmel: Jahrelang leitete sie erfolgreich den katholischen Kindergarten in ihrer Kolleginnen. Alles lief perfekt. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein neuer Pfarrer die Gemeinde übernahm, der die Leitung des Kindergartens als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachtete. Nach einiger Zeit begann er hinter ihrem Rücken Einzelgespräche mit ihren Mitarbeiterinnen zu führen. Das machte sie hellhörig, aber dass sich da was zusammenbraute, war ihr damals noch nicht klar.

„Richtig los ging es vor vier Jahren“, erinnert sich die ehemalige Kindergartenleiterin.
„Als ich von einer einwöchigen Fortbildung zurückkam, zu der man mich schickte, reagierten meine Mitarbeiterinnen verschoben. ... ich erntete nur Grinsen“, beschreibt Sabine Kistler den Beginn des jahrelangen Psychoterrors der nun folgte. Sabine Kistler wurde von den ehemals netten Kolleginnen angeschwiegen, ausgegrenzt und systematisch ins Abseits gestellt. Alle Versuche, das gute Verhältnis wieder herzustellen, prallen an einer Mauer des Schweigens ab. Schließlich beschwerte sie sich bei ihrem „Chef“, genau jenem Pfarrer, von dem sie heute weiß, dass er wohl der Drahtzieher war. Das Ergebnis der Beschwerde: Jeden Freitag fand ein Gespräch in einem sogenannten Schlichtungsausschuss statt. „Jeden Freitag haben sie mich da so fertig gemacht, dass das Wochenende erledigt war. Ich wurde als jemand hingestellt, der nicht ganz richtig tickt, jedenfalls nicht fähig ist, einen Kindergarten zu führen“, erinnert sich Sabine Kistler an die wohl schrecklichste Zeit in ihrem Leben. „ Ich bin jeden Tag weinend nach Hause gefahren, war abends zu nichts mehr fähig. Ich war soweit, dass ich selbst schon fast glaubte, verrückt zu sein.“

Sabine Kistler ist kein Einzelfall. Mobbing ist zur Volksseuche geworden. Millionen Menschen treibt der subtile Psychoterror in deutschen Betrieben und Amtsstuben, Krankenhäusern und Schulen an den Rand der Verzweiflung. Sie werden von Kollegen systematisch gehänselt, ausgegrenzt, bei Vorgesetzten angeschwärzt oder gar von diesen selbst schikaniert und gedemütigt. Studien zeigen, dass das Mobbingrisiko in eigenen Branchen besonders hoch ist: im Gesundheits- und Sozialwesen. Im Bereich Erziehung und Unterricht und in der öffentlichen Verwaltung.

Immer häufiger sind auch Führungskräfte betroffen. Sie machen mittlerweile 16% der Opfer aus…

Woran liegt es, was sind die Gründe, dass so für so viele Menschen der Arbeitsplatz zur Hölle wird? Dass die wirtschaftliche Situation und der schärfer werdende Kampf um die Arbeitsplätze zu einer Entsolidarisierung und zur Verrohung der Sitten führt hält
Prof. Zapf (ohne weitere Begründung bis ins Jahr 2006) für falsch. Er sieht (allerdings auch zurecht) eine der Ursachen, eher in sich ständig ändernden Managementkonzepten, mit der Unternehmen auf die schnell fortschreitende Globalisierung reagieren. … unklare Aufgaben und Ziele sind idealer Nährboden für Konflikte und erhöhen die Mobbing- Wahrschanlichkeit.

Mögliche Ursachen liegen zudem in der Persönlichkeit der Beteiligten. Ein cholerischer Vorgesetzter, ein Chef, der ständig Angst um seine Position hat, sorgt automatisch für Konflikte „Oft trägt aber auch das Verhalten der Opfer dazu bei, dass es zu Mobbing kommt“, erklärt Prof. Zapf. „Wer Konflikte partout vermeiden möchte, sie erst sehr spät bemerkt und sich nur schwer in andere hineinfühlen kann, läuft größere Gefahr, gemobbt zu werden“.

Untersuchungen zeigen, dass es oft auch Menschen trifft, die sehr leistungsorientiert sind, die viel von sich und anderen fordern. Wie der gehasste Streber in der Klasse gerät so ein Mensch eher in eine Außenseiterposition, weil sich die Gruppe ständig nach dessen Hochleistungen bewertet sieht und latent den Vorwurf fühlt, nicht gut oder viel zu wenig arbeiten,. ..

Nach dem Zusammenbruch suchte sie sich Hilfe bei einer Organisation für Mobbing- Opfer.

Die Experten führten nochmals diverse Schlichtungsgespräche ...und rieten ihr ... schließlich, einem Auflösungsvertrag zuzustimmen. „Es war schwer, der Kindergarten
war lange Zeit mein Leben“ erzählt Sabine Kistler, „aber eine andere Lösung gab es
nicht, und durch die Ausbildung zur Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberaterin habe ich jetzt ja wieder eine neue Perspektive, die mir Spaß macht“.

Was tun, wenn des Mobben nicht aufhört?

Wenn über Monate oder gar Jahre gemobbt wird, greifen die üblichen Konfliktlösungs- Strategien meist nicht mehr.

Holen Sie sich Hilfe bei Experten. Überlegen Sie, ob sich der Kampf gegen die Mobbing- Attacken lohnt. Haben Sie wirklich eine Chance zu gewinnen? Wie viele Kraftreserven haben Sie noch? Warten Sie nicht zu lange mit einer Entscheidung. Schwer angeschlagen lassen sich einschneidende Schritte schwerer bewältigen. Letzter Ausweg: Räumen Sie das Feld, auch wenn es Ihnen ungerecht erscheinen mag. Loten Sie Ihre Möglichkeiten aus- Wechsel in eine andere Abteilung, eine neue Firma oder gar ein völliger beruflicher Neuanfang.

Hier bekommen Sie Rat und Hilfe:

Viele Organisationen z.B. Gewerkschaften und Krankenkassen, bieten Anti- Mobbing- Seminare an. Hilfe und Infos gibt es zudem bei:
VPSM, Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.


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