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Frankfurter Rundschau 18.10.2013

Wenn die Arbeit zur Qual wird
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Von Silvia Bielert

Lothar Drat ist Gründer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM).
Er berät Firmen und Einrichtungen bei Verdacht auf Mobbing, sein Verein funktioniert sozusagen als eine "psychosoziale Feuerwehr".

Lothar Drat hat es sich auf einem Stuhl in seinem Garten in Rambach bequem gemacht. „Ist es nicht schön hier?“, fragt er und zeigt auf die umgebende Natur. „Wenn Sie jetzt hochspringen, sehen Sie die Burg Sonnenberg.“ So entspannt wie sein Wohn- und Arbeitsumfeld sind die Klienten, die Drat hier besuchen, eher nicht. Es sind Menschen, die sich gemobbt fühlen, von Vorgesetzten oder Kollegen.

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Meist die, die stark scheinen

Drat ist Gründer des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) mit Sitz in Wiesbaden. Der Fachverband hat bundesweit mehr als 50, in Wiesbaden zwölf Mitarbeiter.
Als er 1995 anfing, habe er gedacht, der Tiefpunkt der sozialen Kälte sei erreicht, sagt der Sozialpädagoge. „Und dann ging es weiter bergab.“ Vor allem Firmen fragen Lothar Drat an,
aber auch Schulen, Kirchen, soziale Träger, Kliniken oder Verwaltungen.

„Wir sind die psychosoziale Feuerwehr. Wenn wir in einen Prozess reingehen, geht es erstmal um Lösungen“, sagt Drat. Doch manchmal reiche schon ein Nachmittag mit den Beteiligten. Dafür muss der Mediator genug über die Zusammenhänge wissen. „Die reine Täter-Opfer-Sichtweise greift in der Regel zu kurz.“ Auch, weil dort „wo gearbeitet wird, Fehler gemacht werden.“

Doch was ist Mobbing? Auch 18 Jahre nach Gründung des Vereins tut sich die Gesellschaft noch schwer, den Begriff zu definieren. In weit über 90 Prozent der Fälle geht es um psychische Gewalt, sagt Drat. Bei zwei Dritteln der Angriffe handelt es sich um gezielte Gerüchteverbreitung bis hin zum Rufmord, um jemanden aus der Firma zu drängen. „Eine starke Person wird gern sofort mit der stärksten Waffe bekämpft“, sagt Drat. Und auch, dass Mobbing am häufigsten im Gesundheits- und Sozialbereich auftritt. Dort wo Ärzte, Psychologen, Pädagogen arbeiten. Da werde die Supervision schon gern mal genutzt, um andere fertig zu machen. Andererseits werde der Begriff Mobbing oft missbraucht, sei dadurch total abgestumpft. „Mobbing ist nicht, wenn jemand einen Scherz auf meine Kosten macht.“

Drat ärgert sich auch über die Stereotype, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Etwa das Bild des Gemobbten. Die Schwachen, sagt er, machten den geringeren, nicht den größten Anteil aus. Meist trifft es die, von denen man glaubt, sie seien zu stark, um gemobbt zu werden. Kreative, Innovative, Leistungsbereite, in allen Bereichen, auf allen Ebenen.

„40 Prozent derjenigen, die zu uns kommen, werden von Ärzten und Therapeuten geschickt“, sagt Drat. Meist, wenn Verdacht auf Burnout besteht. Gängige Folgen von Mobbing sind Depressionen, Angststörungen, Veränderungen in der Persönlichkeit.

Langjährige Mitarbeiter loswerden

Die Mobber wiederum finden sich oft unter denen, die ihre Schwäche zu verbergen suchen, die „unterdurchschnittliche Ware“, wie Drat sie nennt. Ein neuer Vorgesetzter, der nicht möchte, dass andere seine Unfähigkeit registrieren, schlage vorsichtshalber auf die Untergebenen ein. Verkehrte Welt.

Wenn Drat zu Werke geht, setzt er nicht auf die offene Konfrontation am Runden Tisch. Er separiert die Parteien, bringt sie nur da zusammen, wo es sinnvoll ist. Meistens, sagt er, habe sich irgendetwas zwischen den Beteiligten verheddert. Er spricht dann gern vom Unfallcharakter, um den Menschen, die zu ihm kommen, die Angst zu nehmen. Auch sei es schwierig herauszufinden, wer den Konflikt ausgelöst hat und manch Vorgesetzter habe sich schon als netter Kerl entpuppt. Den Klassiker kennt Drat auch: Eine Firma möchte einen langjährigen Mitarbeiter loswerden. Man wirft ihm vor, der Arbeit plötzlich nicht mehr gewachsen zu sein. Drat stellt dann die Zauberfrage: Wie lange hat der Arbeitnehmer seine Arbeit gut gemacht? Die Antwort laute dann oft: 15 Jahre ... und dann kam der neue Vorgesetzte.

Mediator Lothar Drat hofft, denen, die zu ihm kommen, den Weg zum Gericht zu ersparen. Der müsse gut überlegt sein, weil er signalisiere: In dieser Firma will ich nicht mehr arbeiten. Und viele Fälle, sagt Drat seien, kaum justiziabel, weil es so schwer ist Mobbing nachzuweisen.

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