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Wenn der Kollege systematisch ausgegrenzt wird
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Fachleute von „Balance“ beraten Menschen, die unter Mobbing leiden / Rechzeitig in die Offensive gehen und ein klärendes Gespräch suchen

Von Ingeborg Toth

WIESBADEN „Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz und unterscheiden uns damit von anderen Beratungsstellen“, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge Lothar Drat. Er ist Leiter der Beratungsstelle „Balance“, die dem Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) Wiesbaden angegliedert ist.

Psychologen, Pädagogen, Juristen und Mediziner kümmern sich um die, die mit ihren Konflikten am Arbeitsplatz nicht klar kommen. Nachdem die Beratungsstelle Domizile im Aukammtal und in der Riederbergstraße besaß, ist sie jetzt nach Rambach umgezogen.
Am Burgacker 70 stehen neue Räume bereit.

Die Parteien, die sich bei Arbeitsplatzkonflikten gegenüberstehen, beraten sich zunächst in kleinen Zirkeln, bevor die Lösung im Plenum gesucht wird. Nicht selten müssen Betriebsrat, Personalchefs oder direkte Vorgesetze in den Schlichtungsprozess mit einbezogen werden.

„Wenn unsere Hilfe benötig wird, hat das Mobbing oft schon extreme Formen angenommen und die halbe Firma gespalten“, erklärt der Leiter der Beratungsstelle.

Drat ist allerdings entschieden dagegen, normale Konflikte überzubewerten. Der Begriff „Mobbing“ werde gelegentlich geradezu inflationär gebraucht :

“Wenn ein Kind nicht so viel Taschengeld bekommt, wie es möchte, wirf es seiner Mutter an den Kopf : Mama, du mobbst mich.“

„Mobbing hat viele Gesichter“, sagt Drat.
Ob Gerüchte verbreitet, Gehässigkeiten ausgeteilt, Informationen zurückgehalten oder Nägel in Autoreifen gestochen werden- das Ziel der Aktionen sei immer gleich: Es werde versucht, eine Kollegin, einen Kollegen systematisch auszugrenzen.

Mobbing sei nie eine einzelne Handlung, sondern ein zermürbender Nervenkrieg, der allerdings von Menschen auch durchaus unterschiedlich bewertet werde. 
Drat fühlt sich oft verpflichtet, auch das familiäre Umfeld eines wirklichen oder vermeintlichen Mobbings-Opfers einzubeziehen. 
So erfährt er mehr über den Grad der Betroffenheit (und diesen) besser einzuschätzen.

Wenn das Mobbingopfer kein starkes soziales Netz geknüpft habe könne die Situation schwierig werden.

Das Führungsverhalten von Vorgesetzen, die Art, wie Arbeitsprozesse organisiert werden oder auch das „ Anderssein“ durch persönliche Merkmale kommen im Mediationsprozess zur Sprache.

Das Team um Drat versucht, in wenigen Arbeitsstunden zu einer Lösung des Konflikts zu kommen. Das gehe, wenn die Betroffenen bereit seien, Vergleiche einzugehen. Besonderes auf der Arbeitgeberseite sei dies häufig der Fall.

Unternehmen wüssten, dass Auseinandersetzungen vor den Arbeitsgerichten langwierig und kostpielig sein können.

Da der Psychoterror für die Opfer schlimme Folgen haben, bis hin zu schweren Gesundheitsstörungen, sei auch diese Seite häufig mit einem Vergleich einverstanden, wenn er ausgewogen erscheine.

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschrieb Mobbing- „to mob“ bedeutet anpöbeln, bedrängen - als den Angriff einer Gruppe von Tieren auf einen Eindringling. Die Ursache für menschliches Mobbing ist weniger eindeutig.

Oft stecke schlichtweg Neid dahinter, so Drat. Er beschreibt den Fall einer Krankenschwester, die sich auf der Station den attraktivsten Arzt krallt,
„Die Kolleginnen“, so sagt er, „wären alle gern in ihrer Situation und setzen die 
Glückliche unter Druck“.

Drat sagt, wer sich im Betrieb nicht mehr wohlfühlt, sollte rechtzeitig in die Offensive gehen und ein klärendes Gespräch suchen. Kommt er damit nicht weiter und ist keine einvernehmliche Lösung zu finden, sollten externe Berater eingeschaltet werden.

Die sind unter Umständen nicht billig: Bei „Balance“ kostet die Beratungsstunde 
68 Euro plus Mehrwertsteuer.
„Die vollen Kosten treffen allerdings nur die“, so versichert Drat,“ die sie übernehmen können.“ Der Verein, der hinter der Beratungsstelle steht, ist bemüht, die Beratungskosten zu mindern, wenn jemand daran zu schwer tragen hat.
Bedürftige werden nach Kräften unterstützt. Mit dem Geld, das die 200 Mitglieder und Förderer einbringen.

Grundsätzlich bekommt der VPSM keine öffentliche Mittel. Er muss sich selbst tragen.
Auch die Bußgelder fließen nicht mehr so reichlich, stellt Drat fest. 
Bußgelder sind bei der Staatsanwaltschaft fällig, sowie bei Jugendstraf- und Schöffengerichten. Manchmal wird bestimmt dass sie nicht an die Staatskasse gehen, sondern Vereinen oder Organisationen zur Verfügung gestellt werden.

„In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sind offenbar viele nicht in der Lage, ein Bußgeld zu zahlen und wählen bei Gericht eine Arbeitsauflage. Das bekommen wir zu spüren!“

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