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Demütigung am Arbeitsplatz: Wo Mobbing-Opfer Hilfe bekommen

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Kassel. Plötzlich war da diese Stille im Besprechungszimmer. Kein Lachen, als sie vom Erlebnis mit einem Patienten erzählt. Keine Antwort, als sie eine Frage zum neuen Computerprogramm stellt. Stattdessen Augenrollen und spöttische Bemerkungen. „Ich hatte das Gefühl, alles falsch zu machen. Egal, wie nett ich war, ich stand im Abseits“, erzählt Krankenschwester Birgit W. (Name der Redaktion bekannt).

Stumm erträgt sie die Schikane, fährt zwei Jahre mit Bauchschmerzen an die Arbeit, hat Schlafstörungen. Als die Kolleginnen plötzlich auch noch Lügen über sie verbreiten, ist sich die Krankenschwester sicher: Ich werde gemobbt.

Ellen Schlichtermann kennt solche Fälle. Die systemische Supervisorin berät Menschen, die unter Arbeitsplatzkonflikten oder Mobbing leiden. Eine Gratwanderung, weiß die Expertin. „Jeder hat schon einmal über einen Kollegen gelästert oder sich am Flurfunk beteiligt. Meistens ist es ein Konflikt, der sich schleichend zum Mobbing entwickelt.“

Opfer zweifeln an sich

Kleine Sticheleien, das Vorenthalten von Informationen, Sabotage: Der subtile Terror hat viele Gesichter. „Die Opfer spüren zunächst nur, dass etwas nicht stimmt. Sie zweifeln an sich, fühlen sich ohnmächtig. Oft lassen sich die Angriffe nicht nachweisen“, sagt Ellen Schlichtermann.

Betroffene meist leistungsstarke Personen

Das klassische Mobbing-Opfer gibt es nicht, sagt sie. Im Gegenteil: „In den meisten Fällen trifft es leistungsstarke und integrierte Personen. Und eben nicht den Opfertyp, der schon in der Schule gehänselt wurde.“

Mitarbeiter, die einen Kollegen mobben; der Chef, der einen Untergebenen mobbt oder umgekehrt: Oft ist Konkurrenz der Hintergrund für die Attacken, sagt Schlichtermann. „Der Täter hat Angst vor den Stärken seines Gegenübers.“ Die Folgen der systematischen Entwürdigung sind gravierend: Viele Mobbingopfer leiden unter Angstzuständen und Depressionen, bekommen Panikattacken oder einen Hörsturz. „Gerade für Menschen, die sich über den Job definieren, bricht eine Welt zusammen“, weiß Ellen Schlichtermann.

Problem öffentlich machen

Sie rät allen Betroffenen, sich rechtzeitig Hilfe zu holen und das Problem öffentlich zu machen. „Man sollte das Gespräch mit einer Vertrauensperson, der Mitarbeiterversammlung oder dem Betriebsrat suchen. Auf keinen Fall alles über sich ergehen lassen“. Als unabhängige Beraterin für den Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM, siehe EXTRA INFO) versucht die 47-Jährige, die Betroffenen aktiv zu begleiten. „Ich versuche die Ursache zu ergründen, eine realistische Einschätzung abzugeben und den Betroffenen bei seinem Weg zu unterstützten.“ Egal ob er sichfür eine Auseinandersetzung, Schlichtung oder die Auflösung des Arbeitsverhältnisses entscheidet.

- Der Begriff Mobbing kommt von von englisch to mob „anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen“ und mob „Meute, Gesindel, Pöbel, Bande“). Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen systematisch und regelmäßig zu schikanieren, auszugrenzen und seelisch zu verletzen, etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Internet (Cyber-Mobbing).

- Der Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) ist ein Fachverbund , aus Psychologen, Padagogen und Juristen. Um eine kompetente Beratung vor Ort zu ermöglichen, gibt es unabhängige Experten und Beratungsstellen in verschiedenen Bundesländern. Infos unter www.vpsm.de. Wer Kontakt zu Ellen Schlichtermann aufnehmen möchte, meldet sich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Weitere Informationen über www.schlichtermann-consulting.de.

- Eine Selbsthilfegruppe für Arbeitsrecht und Mobbing trifft sich jeden Montag um 19.30 Uhr im Selbsthilfetreffpunkt der KISS, Marie-Calm-Raum, Wilhelmshöher Allee 32A, 3. Stock, in Kassel. Informationen über KISS unter Tel. 0561 /92005-5399 sowie unter www.selbsthilfe-kassel.de.

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