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Mobbing macht Mitarbeiter mürbe

Gesundheitsbericht: Höchstand bei Fehlzeiten durch psychische Krankheiten
- Neid häufiges Motiv - Beratungsstellen >>löschen<< Konflikte

Andrea Hammerl
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Psychische Probleme nehmen seit Jahren zu, auch und gerade am Arbeitsplatz.
So verzeichnete die Techniker Krankenkasse (TK) im Jahr 2008 einen neuen
Höchstand bei Fehlzeiten durch psychische Krankheiten. Laut TK-Gesundheitsbericht
2009 nahmen die Fehlzeiten innerhalb der letzten zwei Jahre um fast 20% zu.

Wie viel davon durch "Mobbing" bedingt ist, lässt sich zwar anhand der Zahlen
nicht eruieren, dennoch scheint das Phänomen beteiligt zu sein. Mobbingberater
Klaus Wolf, Würzburg, registriert jedenfalls steigende Nachfrage. "Wenn der Druck
in der Arbeitswelt weiterhin steigt, die Arbeit sich weiter verdichtet und immer
komplexere Arbeitsabläufe entstehen, wenn immer mehr abverlangt wird",
zählt er auf, "dann sind das Stressoren, die dazu führen können, dass sich
die Gruppe einen Sündenbock sucht".

"Besonders gefährdet sind offensichtlich Arbeitnehmer in sozialen Berufen".
Klaus Wolf Mobbingberater

Häufiges Motiv ist Neid. Etwa 40% der echten Mobbingfälle seiner Praxis
beträfen besonders motivierte, leistungsstarke Mitarbeiter, schätzt Lothar Drat, Koordinator des Fachverbundes VPSM (Verein gegen psychosozialen Stress und
Mobbing). Wobei es für den Diplom-Sozialpädagogen völlig sekundär ist, ob das bestehende Problem explizit Mobbing genannt wird. "Wir sehen
uns als psychosoziale Feuerwehr, ob Mobbing oder eskalierter Konflikt - das spielt
keine Rolle", beschreibt er die Funktion der im gemeinnützigen Verein organisierten,
etwa 60 Experten verschiedener Fachrichtungen, darunter Psychologen, Pädagogen
und Rechtsanwälte. "Wir löschen", sagt er plakativ. Wenn kein Externer eingeschaltet wird oder es gelingt, das Problem innerbetrieblich zu lösen - was aus verschiedenen Gründen schwieriger ist - dann drohen mitunter jahrelange, kostenintensive Verfahren, die vor Gericht und dann noch in mehrere Instanzen gehen. Mancher Betrieb schaltet daher einen externen Berater ein, der eine möglichst schnelle und für alle Beteiligten gangbare Lösung zu finden versucht.

Die sieht nicht selten so aus, dass eine saubere Trennung erfolgt, sei es durch innerbetriebliche Umschichtung oder dank einer großzügigen Abfindungsregelung, mehrmonatiger Freistellung bei vollen Bezügen, Kostenübernahme eines Coachings,
ein gutes Arbeitszeugnis und ggf. Hilfe bei der Stellensuche für den Betroffenen.
Denn der ist in vielen Fällen gar nicht mehr willens oder in der Lage, an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren.

Schäden schwer zu beziffern

"Besonders gefährdet sind offensichtlich Arbeitnehmer in sozialen Berufen",
sagt Wolf. Deutlich weniger Kundschaft verzeichnet er aus dem technischen
oder naturwissenschaftlichen Bereich. Insgesamt aber werde der Bedarf
steigen, prognostiziert er - und sei es nur aus Angst um den eigenen
Arbeitsplatz angesichts der weltweiten Krise. Bereits jetzt sind die Zahlen
alamierend. Von etwa zwölf Millionen Mobbingopfern innerhalt der EU
geht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus
(unter Berufung auf die Europäische Agentur für Sicherheit und
Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz).

Nicht immer sind einzelne Personen oder Gruppen für eine Konfliktsituation
ursächlich. Auch Umstruktuierungen werden häufig zum Auslöser. Denn Konflikte
haben häufig mit Führungsschwäche zu tun. Typisches Beispiel sind neue Vorgesetzte,
die von außen in die Abteilung gesetzt werden, in der möglicherweise fachlich
versiertere Arbeitskräfte sitzen, die selber auf den Posten hofften. Hier sind
Konflikte programmiert, entweder, weil der neue Chef aus Unsicherheit versucht,
den kompetenten Mitarbeiter ins Abseits zu stellen, oder weil die Mitarbeiter
den Vorgesetzten nicht akzeptieren. Kosten entstehen für betroffene Unternehmen
nicht erst, wenn das Problem eskaliert. In schwieriger Atmosphäre sinkt schon zuvor
die Motivation und damit Kreativität und Produktivität der Mitarbeiter, was sich
besonders in innovativen Branchen bemerkbar macht, aber schlecht beziffern lässt.

Schätzungen gehen von immensen finanziellen Verlusten für Betriebe und
Volkswirtschaft aus. Genaue Zahlen zu nennen, hält VPSM-Geschäftsführer Drat
jedoch für zweifelhaft. "Wie wollen Sie es beziffern, wenn ein wertvoller Mitarbeiter
kurz vor der Entdeckung seines Lebens steht und dann in seinen Unterlagen
manipuliert wird?" fragt er. Der betriebs- wie volkswirtschaftliche Schaden
könnte unermesslich sein und das Unternehmen vielleicht auf Jahre hinaus
seiner Wettbewerbsfähigkeit berauben.

Stichwort: Mobbing

Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen ("to mob" bedeutet anpöbeln oder
schikanieren). Eine Person oder Gruppe fühlt sich am Arbeitsplatz von gleichgestellten,
vorgesetzten oder untergegebenen Kollegen angefeindet, belästigt,
beleidigt, ausgegrenzt oder mit lästigen Arbeitsaufgaben bedacht. Mit der Zeit
entsteht bei "gemobbten" Personen das Gefühl, unterlegen zu sein. Je unzufriedener
die Betriebsangehörigen, desto häufiger tritt Mobbing auf. Es bleibt jedoch nur
auf die Arbeitswelt beschränkt - Mobbingprozesse finden auch in Schulen, Kindergärten oder an Universitäten statt, in Vereinen, in der Nachbarschaft, ja sogar innerhalb von Familien. Allerdings wird dann nur von echtem Mobbing gesprochen, wenn entsprechende Handlungen systematisch, häufig wiederholt auftreten und sich zudem über einen längeren Zeitraum erstrecken. Weder einmalige Vorfälle fallen unter dem Begriff noch
Konflikte zweier etwa gleich starker Parteien, Mobbing setzt also ein Machtgefälle
voraus, sei es durch die Position oder die Anzahl der Mobber.

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