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Mobbing - Viele Menschen werden an ihrem Arbeitsplatz gemobbt.

Betriebswirtschaftlich entstehen Schäden in Milliardenhöhe. Betroffene erhalten Hilfe von verschiedenen Beratungsstellen

Es begann mit Gänsen

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Geschichte- Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz prägte den Begriff "Mobbing"

Ursprünglich beschrieb der Begriff "Mobbing" das Verteidigungsverhalten von Tieren auf den Fressfeind. Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989), prägte das Wort, als eine Gruppe Gänse einen Fuchs angriff.

1969 adaptierte der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann diesen Begriff für eine von ihm beobachtete Pesonengruppe, die eine von der Norm abweichende Person attackierte. Ende der siebziger Jahre prägte der Arzt und Psychologe Heinz Leymann den Begriff für Angriffe auf Menschen in der Arbeitswelt.

In der Folge gab es zahlreiche Veröffentlichungen mit ersten Untersuchungen zu diesem Thema, das immer mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung rückte.

 

Jeder Dritte wird vom Vorgesetzten gemobbt

...In Deutschland sollen rund eine Million Menschen von Mobbing betroffen sein. Fachleute gehen davon aus, dass Männer und Frauen gleichermaßen gemobbt werden. Das sagt auch der Wiesbadener Psychologe Lothar Drat. Nur würden Frauen öfter Hilfe aufsuchen, während Männer dies als Schwäche empfänden...Gewerkschaften haben herausgefunden, dass Mobbing in einigen Unternehmen sogar als Strategie verwendet wird, um Mitarbeiter zur Kündigung zu bewegen. Damit sollen der Kündigungsschutz und Abfindungszahlungen umgangen werden.

Mobbing hat erhebliche Folgen auf die gesundheit der Opfer. Angstzustände, Nervosität, Konzentrationsschwäche, sozailer Rückzug. Ohnmachtsgefühle oder posttraumatische Belastungsstörungen sind die Folge. Jedes zweite Mobbingopfer ist länger als sechs Monate krank. Die finanziellen Schäden durch Mobbing sollen in den zweistelligen Milliardenbereich gehen.

Den betreffenen Unternehmen entstehen erhebliche Kosten, wenn Mitarbeiter wegn Mobbing oft krank werden oder ihre Leistung erheblich nachlässt. Auch die Krankekassen müssen erheblich Mittel für die ärztliche Betreuung der Mobbing-Opfer aufwenden, vorallem wenn diese über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig sind. 

 

Wenn Kollegen zu Tyrannen werden

Mobbing- Bei der Kirche und im öffentlichen Dienst doll es besonders schlimm sein- Beratungsstellen können helfen

Von Hans Dieter Erlenbach

Astrid K. (Name von der Redaktion geändert) war eine lebenslustige Frau. Als Diplom-Sozailpädagogin in einer gemeinnützigen Einrichtung beruflich erfolgreich, suchte sie noch einmal nach einer beruflichen Herausforderung. Sie bewarb sich in Wiesbadenauf eine Stellenausschreibung der evangelischen Kirche Hessen-Nassau und wurde unter einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt. Das war 2007. Einige Monate später wurde sie krank. Schlafstörungen, Alpträume, Nervosität und Gereiztheit wurden immer schlimmer. Astrid K. wurde gemobbt.

 

Mit der neuen Chefin begann die Eskalation

"Wirklich gut ging es nie, sagt sie zurückblickend. Arbeitsfelder seien nicht klar abgegrenzt und Aufgaben nicht klar benannt worden. Ihr Chef sein ein Choleriker gewesen, ein schlüssiges Konzept für die Arbeit habe es nicht gegeben. Irgendwann wurde der Chef von der Kirchenleitung versetzt. Astrid K. wurde gefragt, ob sie die Leitungsaufgabe übernehmen wolle. Doch sie lehnte ab. "Wir bekamen eine Chefin, dann begann die Eskalation", erinnert sich die 43 Jahre alte Frau an die schlimmste Zeit ihres Berufslebens. Die Chefin sei aus einem ganz anderen Berufsfeld gekommen und habe dennoch beweisen wollen, dass sie die Beste sei. Um das zu unterstreichen, habe sie angefangen, Astrid K. in der sie offenbar eine Konkurenntin sah, zu mobben. "Informationen wurden nciht an mich weitergegeben, immer wieder verschwanden Unterlagen, es wurden Beschuldigungen in die Welt gesetzt und immer wieder wegen angeblich von mir zu verantwortender Fehler Ermahnungen geschrieben", erinnert sich das Mobbing-Opfer. "Die wollte mich rauskicken."

Zunächst versuchte Astrid K., mit der Situation sachlich umzugehen. Irgendwann fehlte ihr die Kraft, die seelische Zermürbung wurde immer stärker. "Ich war kurz vor dem Ende." Sie begann an sich selbst zu zweifeln. War sie wirklich für die fehler verantwortlich, die ihr immer wieder angehängt wurden?

Anstatt zu resignieren und ihren Arbeitsplatz aufzugeben, holte sie sich professionelle Hilfe. Heute sagt sie: "Ich bin nicht mehr in einem tiefen Loch. Ich suche andere Perspektiven und will Neues entwickeln." Und nach kurzem Nachdenken betont sie: "Ich lasse mir von denen das Leben nicht kaputt machen."

Bei der ... Kirche und im öffentlichen Dienst werde besonders viel gemobbt, behauptet der Leiter des Vereins gegen psychsozaialen Stress und Mobbing in Wiesbaden (VPSM), Lothar Drat, obwohl es dort sogar schriftlich fixierte Richtlinien gegen Mobbing gäbe. Auch die Darmstädterin Leila Ü. (Name von der Redaktion geändert) ist mit den für Mobbing typischen Methoden monatelang seelisch gequält worden. Die in einer sozialen Einrichtung arbeitende Pädagogin hatte zunächst mit einer kollegin immer wieder fälschliche Diskussionen. "Igendwann haben wir kein Wort mehr miteinander gewechselt", beschriebt Leila Ü. die Eskalation. Nachdem sie ihre Vorgesetzte informiert hatte und die Kollegin von dem Gespräch erfuhr, zog diese eine weitere kollegin auf ihre Seite. Leila Ü. wurde fortan von beiden Kolleginnen geschnitten, es wurde offen über sie getuschelt, dass sie es mitbekommen musste und wohl auch sollte. Die beiden sogar Tagebuch und schrieben jeden Fehler auf, der Leila Ü. unterlief. "Es war eine sehr feindseelige Stimmung." Morgens sei sie mit Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen, abends und nachts habe sie lange gegrübelt und wach gelegen. Ein halbes Jahr hielt sie die Situation aus und kam zu der Erkenntnis: "Die wollen mich hier rausdrängen."

 

Situation am Arbeitsplatz wird nachgestellt

Nachdem die Chefin lediglich meinte: "Stellt euch nicht so an", suchte Leila Ü. Hilfe in einer Beratungsstelle. Einen entsprechenden Flyer fand sie bei ihrem Hausarzt im Wartezimmer. In Gesprächen mit eine Psychotherapeutin wurde die Situation am Arbeitsplatz nachgestellt. Schnell stellte sich heraus, dass Leila Ü. das Verhalten ihrer Kolleginnen noch beförderte, zum Beispiel mit ihrer ablehnenden Körpersprache oder mit ihrem Schweigen gegenüber den Kolleginnen.

Obwohl es sich nach eigenen Angaben viel Überwindung kostete, ging sie auf ihre beiden Kolleginnen zu, versuchte mit ihnen zu reden und der Situation die Schärfe zu nehmen. "Plötzlich war der Knoten geplatzt, "denn auch denen war das Schweigen irgendwann zuviel". Leila Ü. blieb an ihrem Arbeitsplatz. Heute kommt sie mit ihren Kolleginnen ganz gut klar. Auch über unterschiedliche Auffassung über die Arbeit könnte man inzwischen gut reden.

Rund 18000 Beratungsstunden leistet der gemeinnützige Verein VPSM, der 1995 mit seiner Arbeit begann und bei dem auch Leila Ü. Hilfe fand. Gab es früher bei den Ratsuchenden pro Jahr eine Steigerung um 30 Prozent, stagniert diese Zahl seit knapp drei Jahren. Die genauen Gründe kennt Drat nicht, er führt die Zurückhaltung der Mobbingopfer aber auf die wirtschaftliche Krise zurück. Lieber hielten sie die Demütigungen am Arbeitsplatz aus als eine längere Arbeitslosigkeit zu riskieren, vermutet er. Mobbing ist kaum juristisch zu ahnden. 90 Prozent der Geschehnisse seien in der regel nicht zu beweisen. deshalb rät lothar Drat zunächst davon ab, gleich zu einem Rechtsanwalt zu gehen und ein schreiben an den Betrieb in Auftrag zu geben. "Dadurch wird die Situation nur noch weiter eskalieren", warnt er. In der Regel würden sich die Kollegen vor Gericht gegenseitig decken und keiner gegen der anderen aussagen. Drat versucht deshalb mit den Opfern einen anderen Weg. Er nimmt Kontakt mit den Arbeitgebern auf, redet mit ihnen über die Situation und macht ein Angebot. Zum Beispiel bittet er darum, das Mobbing-Opfer noch einige Monate weiter zu bezahlen, es aber von der Arbeit freizustellen, damit es mit entsprechender pädagogischer Betreuung wieder gesund wird und die Kraft hat, ein neues Arbeitsverhältnis einzugehen.

In vielen Fällen funktioniert dieser Deal. Das hat Vorteile für beide Seiten. Der Arbeitgeber muss nicht vor gerichterscheinen und lediglich einige Monate das Gehalt weiterzahlen. Vor Gericht würde er womöglich zu einer Abpfindung verdonnert, die er auf einmal aufbringen müsste. dem Mobbing-Opfer werden die oft langwierigen Gerichtsverhandlungen erspart, in denen das Erlebte immer wieder aufkocht.

Wer meint an seinem Arbeitsplatz gemobbt zu werden, solle so früh als möglich reagieren, "aber nicht hysterisch überreagieren", rät der Sozailpädagoge. Ein erstes Gespräch solle es in der Familie oder mit Freunden geben, danach sollen sich die Betroffenen Hilfe einer Beratunsstelle holen.

 

"Ärzte sensibilisieren"

Ärzte müssten für Mobbing besser sensibilisiert werden, fordert die in Bensheim tätige Konflikt- und Mobbingberaterin Elke Opper. Wenn Mobbingopfer zu einem Arzt gehen, würden sie oft wegen Schlafstörungen mit Schlafmitteln oder gegen andere schmerzen mit diversen Tabletten behandelt, ohne der Ursache auf den Grund zu gehen.

Elke Opper hat bei einigen Ärzten Hinweiszettel mit Adressen von Beratungsstellen ausgelegt. In einigen Arztpraxen sei ihr das verboten worden. "Wir müssen die Ärzte für dieses Thema sensibilisieren", sagt sie aus eigener Erfahrung.

Auch bei Krankenkassen wurden Mobbingopfer als finanzielle Last gesehen. Wird jemand wegen zwei Wochen krank geschrieben, erhalte er zum Beispiel von der AOK sofort den Rat, sich umgehend nach einer neuen Arbeitsstelle umzusehen. Krankengeld der Versicherte nicht, werde ihm dann mitgeteilt, berichtet Lothar Drat. "Da trifft man die Opfer doppelt und setzt sie zeitlich unter Druck, was das psychatrische Krankenbild oft noch verschärfe.

Die Wiesbadener AOK habe es mehrfach abgelehnt, die Kosten für eine Therapie in einer der Beratungsstellen zu übernehmen, obwohl diese mit 68 Euro plus sieben Prozent Mehrwertsteuer pro Beratungsstunde sehr günstig seien und mit dazu beitragen können, weitere Arzt-oder Krankenhauskosten zu vermeiden. Das komme die Krankenkassen deutlich billiger.

Positiv reagierten hingegen die DAK und die privaten Krankenkassen auf die Hilfsangebote der Beratungsstellen, so Drat. 

 

Cyber-Mobbing

Nackte Lehrkräfte im Internet

Eine immer größere Rolle spielt das sogenannte Cyber-Mobbing. Betroffene sind oft Lehrer, aber auch Schüler.

So tauchen im Internet Aktfotos oder Personen in verfänglichen Situationen auf, die mit Köpfen von Lehrern oder Mitschülern versehen wurden. In manchen Foren werden Lehrkräfte, aber auch Mitschüler übel beschimpft oder verleumdet. Das Cyber-Mobbing gilt vielen Tätern als besonders sicher, weil man sich in den Foren mit erfundenen Namen einloggen und Meinungen austauschen kann. Deshalb ist Cyber-Mobbing nur schwer zu ahnden.

Die Betroffenen erfahren hingegen oft durch Zufall, dass sie im Internet auf bestimmten Webseiten gemobbt werden.

Gerade bei kompremittierenden Fotos werden gerne auch Handys benutzt, um die Bilder zu verbreiten.

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