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{tab=Arbeitsrecht / Mobbing-Spirale rechtzeitig stoppen}

28.08.2009

Arbeitsrecht 

Mobbing-Spirale rechtzeitig stoppen

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
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Angesichts der Krise nimmt Mobbing noch zu. Vor allem Vorgesetzte, selbst unter Druck, werden zu Tätern. Betroffene haben nur eine Chance: schnell reagieren! Bei Mobbing kann der Druck so hoch sein, dass die Betroffenen sogar arbeitsunfähig werden.

Das Arbeitsverhältnis ist nicht beendet. Noch nicht. Denn darauf wird es hinauslaufen. Gekündigt wurde es bereits – und das gleich zweimal. Einmal außerordentlich mit sofortiger Wirkung und gleichzeitig ordentlich zum 31. Januar 2010. Dabei hat Gabriele Metzger* sich lange gewehrt – trotz eines enormen Leidenswegs: Ständige Versetzungen, Schreiattacken von Vorgesetzten, öffentliche Bloßstellungen und am Ende sogar manipulierte Gehaltsabrechnungen sind nur die Spitzen des Einberges.

Ein Einzelfall? Die studierte Betriebswirtin ist nur eines von vielen Mobbingopfern in Deutschland. Ein drastischer Fall zwar, wie Johannes Schultze, Arbeitsplatzkonfliktberater in München und Mitglied im Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) einräumt. "Ist der Prozess erst einmal eskaliert, ist den Tätern meist jedes Mittel recht." Wegen der aktuellen Wirtschaftskrise könnte es Fälle wie diese bald noch weit häufiger geben. In Zeiten, in denen Stress und Angst am Arbeitsplatz zunehmen, nehme auch Psychoterror am Arbeitsplatz zu.

Das belegt unter anderem der Mobbing-Report 2002 der Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Aus dem Bericht geht hervor, dass damals in der Gesundheitsbranche und im sozialen Bereich ein dreimal höheres Risiko herrschte, zum Mobbingopfer zu werden. Beides sind Branchen, die zu diesem Zeitpunkt unter enormen Kostendruck standen und in denen viel Personal abgebaut wurde. Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Derzeit, berichten Arbeitsrechtler, häufen sich
Fälle im Bankenbereich.

Dabei sind die Zahlen auch ohne Zuspitzung der Krise schon hoch genug: Im Schnitt sind aktuell jeweils drei von hundert Beschäftigten betroffen. Bei insgesamt 37 Millionen Beschäftigten sind das immerhin über eine Million Opfer. Rechnet man auch noch die Betroffenen der Vergangenheit dazu, so ergibt sich, dass jede neunte Person im erwerbsfähigen Alter schon einmal gemobbt wurde. Es sind in der überwiegenden Anzahl Führungskräfte, die zu Tätern werden, sagt Bärbel Meschkutat von der Sozialforschungsstelle Dortmund. In 40 Prozent der dokumentierten Fälle agieren sie alleine, in weiteren zehn spannen sie Mitarbeiter mit ein. Der Hintergrund dabei ist zumeist schlicht mangelnde Führungskompetenz. Diese aber wirkt sich noch massiver
aus, wenn der Druck von außen steigt. Da kann es schnell passieren, dass die Vorgabe, Kosten einzusparen, einfach auf einem oder auch mehreren Mitarbeitern abgeladen wird.

Metzgers Martyrium begann, als bei ihrem Arbeitgeber, einem großen Telekommunikationsunternehmen, Umstrukturierungen im großen Stil anstanden. Statistisch belegen lässt sich ein solcher Vorsatz nicht. "Wer würde so etwas zugeben?", fragt Johannes Schultze. ...

Johannes Schnell*, Mitarbeiter einer Frankfurter Bank, ist sich sicher, dass er bewusst als Opfer ausgesucht wurde. Schon seit ein paar Wochen sind sein Vorgesetzter und er nicht mehr einer Meinung. Nun bat ihn dieser zu einem Gespräch. Die Zeiten würden schlimm, verkündete er, die Arbeitsbelastung werde massiv steigen und er wisse ja, "nicht alle Kollegen können so etwas aushalten". Wer schnell von sich aus kündige, könne der Situation entgehen, so mit Arbeit überhäuft zu werden, "dass Fehler unvermeidlich sind."

Entscheidend in solch einem Fall sei, richtig zu reagieren – und zwar schnell. Viele Opfer wollen die Situation anfangs nicht wahrhaben, dabei sei es "ganz wichtig, sofort aktiv zu werden", rät Schultze. Betroffene sollten das direkte Gespräch suchen oder den oder die Täter mit dem Sachverhalt konfrontieren. Auch sollten Opfer nicht schweigen und Beweise sammeln. Wer später mit dem Mobbingvorwurf vor Gericht zieht, muss nachweisen können, dass die Schikanen gezielt und über einen längeren Zeitraum erfolgten.

Johannes Schnell wandte sich gleich am nächsten Tag an die Personalabteilung und den Betriebsrat. Er forderte ein Gespräch zu viert ein. Dann machte er die Attacke im Kollegenkreis öffentlich. Gabriele Metzger tat dies nicht. Sie schwieg. Zuerst erhielt sie unlösbare Aufgaben, dann folgten Abmahnungen. Ein geradezu lehrbuchartiges Vorgehen. Je schlimmer die Situation wird, desto mehr Fehler passieren. Der Mobbing Betreibende hat es dann einfach, anfangs noch Unbeteiligte auf seine Seite ziehen.
Auch dies sei ein Effekt, der in Krisenzeiten an Fahrt gewinne, erklären Experten.

Wenn es andere treffe, so die unterschwellige Motivation der Mitläufer, könne es sie selbst nicht treffen.

Am Ende ist nur Hilfe von außen wirksam. In Deutschland gibt es mehrere Beratungsstellen, die sich der Thematik angenommen haben. Gabriele Metzger ist
seit Oktober 2008 krankgeschrieben. Für sie steht fest: Egal, wie der Arbeitsprozess, der inzwischen läuft, auch ausgehen wird. Die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz ist
keine Option mehr. Sie hofft nur, dass sie überhaupt wieder arbeiten kann.

* Namen von der Redaktion gändert.

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{tab=Mobbing-Angst}

07.12.2009

Mobbing-Angst

Ich werde hier voll gemobbt!

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Mobbing an Schulen ist ein erkanntes Problem. Zugleich ist der Ausdruck zum Modebegriff geworden. Manche Reiberei würden Kinder leichter untereinander klären.

Es begann mit einem harmlosen Handyfoto, das die 12-jährige Julia von ihrer Schulfreundin Carla schoss. Die war nämlich eines Morgens mit gelockten Haaren im Gymnasium erschienen. Carlas Mädchenclique fand das "irgendwie drollig". Sie sähe aus "wie Shaun das Schaf". Den und ähnliche Sprüche musste sich Carla anhören. Carla, ein dominantes Mädchen, war es nicht gewohnt, veräppelt zu werden. Ihre Mutter rief erbost bei Julia an, um sich über den Schnappschuss zu beschweren, den Julia nicht weiter verbreitet hatte. Sie trat in der Schule eine Lawine an Anti-Mobbing-Maßnahmen los.

Fälle wie diesen, in dem Eltern sich vorschnell in die Konflikte Gleichaltriger einmischenund behaupten, ihr Kind werde gemobbt, erlebt der Sozialpädagoge Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. aus Wiesbaden immer wieder. 
Von Hysterie will er zwar noch nicht sprechen, es gebe jedoch Hinweise, dass viele Eltern heute schneller als früher intervenieren, wenn es um ihre Kinder geht. " Allerdings handelt es sich dabei vorwiegend um Eltern aus der Mittel- und Oberschicht und oft um solche mit sozialen Berufen wie Lehrer, Sozialpädagogen, Psychologen", so Drat.

Die Pädagogin und Mediatorin Christa D. Schäfer vom MediationsZentrum Berlin e.V. bestätigt das. "Alle sind sensibler geworden - das ist eigentlich eine schöne Sache." Allerdings wird der Begriff Mobbing heutzutage von vielen recht inflationär verwendet. 
Die Eltern bringen ihn laut Drat aus Hilflosigkeit ins Spiel. Sie möchten vor allem, dass Lehrer, Schulamtsvertreter etc. schnell eingreifen, wenn ihr Kind Hilfe braucht.

Nach den Erfahrungen von Schäfer, die den Berliner Schulen als Mediatorin zur Verfügung steht, gehen auch viele Kinder und Jugendliche mit dem Begriff recht bedenkenlos um: "In manchen Gegenden gehört der Begriff einfach zum alltäglichen Sprachgebrauch, ohne dass die Kinder und Jugendlichen genau wissen, was sich dahinter verbirgt. Viele sind auch durch die Schule so sozialisiert, dass der Mobbing-Vorwurf sehr schnell ins Spiel kommt."

Laut Drat gab es eine ähnlich extreme Sensibilisierung vor 15 Jahren, als die öffentliche Diskussion zum Thema sexueller Missbrauch ihren Höhepunkt erreichte. "Mobbing ist ein Modebegriff geworden", sagt Drat. Er wird von manchen Kindern und Jugendlichen bewusst instrumentalisiert. Manche machen sich damit wichtig, versuchen Aufmerksamkeit zu erregen, andere gegeneinander auszuspielen. Manche verschanzen sich auch dahinter, um nicht an eigenen Schwächen arbeiten zu müssen.

Selbst kleine Kinder hätten inzwischen kapiert, dass der Ausdruck eine eigene Macht besitzt. "Die reagieren dann beispielsweise auf Strafen wie Taschengeldentzug mit Sätzen wie 'Mama, du mobbst mich'", erzählt Drat.

Der Mobbing-Vorwurf wurde schließlich auch im Fall Carla erhoben. Zwei Schüler der Oberstufe (die Anti-Mobbing-Beauftragten der Schule), die Direktorin und eine Schulpsychologin wurden benachrichtigt. Die Psychologin verteilte Fragebögen, sprach mit allen Beteiligten und fand bald heraus, dass die Anschuldigungen überzogen waren. Die Anti-Mobbing-Beauftragten waren zuvor jedoch über ihr Ziel hinaus geschossen. Sie hatten die Mädchen aus Carlas Clique ins Kreuzverhör genommen und mit Suggestivfragen traktiert.

"Warn- und Eingreifsysteme gegen Mobbing, in denen Schüler zwischen Schülern schlichten, funktionieren in der Regel ganz gut," so Drat, "ich bezweifle jedoch, dass sie das immer tun, weil der Eine oder Andere gern auch mal den Sheriff spielt". Im Gegensatz dazu halten sich Lehrer nach Schäfers Beobachtungen aus Mobbing-Konflikten inzwischen manchmal zu oft heraus, weil es ja an ihren Schulen Schlichter und Mediatoren gebe.

Sowohl Schäfer als auch Drat warnen jedoch vor einer Bagatellisierung und Verkennung echten Mobbings. Deshalb gelte für Eltern und Lehrer gleichermaßen: Mit Kindern und Schülern im Gespräch bleiben, gut zuhören und die Schilderungen mit der nötigen Distanz analysieren. Auf keinen Fall sollte man einem Kind, das behauptet, es werde gemobbt, zu früh die Frage stellen: "Und was hast du dazu beigetragen?" Zudem fordert Schäfer, dass die Schulen noch mehr als bisher präventiv arbeiten: "Es gibt viele, die im Bereich soziales Lernen nichts machen und sich dann wundern, wenn es explodiert."

Eltern, Lehrer, Schlichter und Mediatoren sollten sich jedoch immer wieder ihre eigene Begrenztheit bewusst machen. In vielen Fällen kann man darauf vertrauen, dass Kinder und Jugendliche Querelen und Reibereien untereinander klären. Ein einzelnes Lösungskonzept ideologisch zu vertreten, ist nicht sinnvoll: "Wenn Leute etwa die Mediation grundsätzlich über jeden Konflikt stülpen wollten", so Drat, "dann verpassen sie vielleicht einfache Lösungschancen." Früher hat zum Beispiel auch der Hausmeister mal ganz pragmatisch eingegriffen.

Carlas Clique hatte sich sowieso schon lange einen Verhaltenskodex gegeben. Die Mädchen nahmen Fairness sehr wichtig. Eine von ihnen wurde inzwischen zur Anti-Mobbing-Beauftragten der Schule gewählt. Es ist allerdings nicht Carla.

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{tab=4. Anti-Mobbing-Tag}

18.12.2007

4. Anti-Mobbing-Tag 2007
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Rede und Infos zum 4. Anti-Mobbing-Tag 2007 am 2. Dezember 2007 in Bremen

Erich K.H. Kalkus, 2.Dezember 2007:

Als Bürger der Freien Hansestadt Bremen erkläre ich den 4. Anti-Mobbing-Tag 2007 als „Bürgerbeitrag zum UNESCO-Jahrestag der Philosophie im Jahr der Geisteswissenschaften“ so:

„In einem freien Volk ist es das Recht jedes Mannes und jeder Frau, an der Gestaltung der Geschicke des Gemeinwesens mitzuwirken.“

Diese Worte des ersten Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft August Hagedorn und die Verfassung der Freien Hansestadt Bremen haben mich bis heute bestärkt in meinem Glauben: „Jedes Kind schon kann mithelfen, unsere Umwelt zu entlasten – und sei es nur durch das Aufheben und Entsorgen einer kleinen Gerätebatterie ! Wer sich um die Entlastung der Erde bemüht, hat ein Herz ( Mitleid ) für alles auf der Erde, das unter den unzähligen Umweltbelastungen aller Art leidet.“ Die von mir als Lehrer nach dem Unglück in Tschernobyl erdachte Batteriesammelkiste(BAKI) soll ein Denkmodell nur sein wie das „Bremer Schulwesen mit Herz“, das den guten Geist veranschau-lichen soll, der überall auf der Erde wirkt, um die Welt zu schützen.

Heute, am 2. Dezember 2007, soll deshalb in einer Bremer Aktion für Kinder eine Batteriesammelkiste in die Philosophische Fakultät der Universität zu Köln und ein „Haus mit Herz aus der Bremer Schule“ in das Bundesarbeitsgericht in Erfurt geschickt werden !

Meiner Ansprache zum 4. Umwelt-Mobbing-Tag hier in Bremen voran stelle ich die Ausführungen aus dem Faltblatt „NEIN ZU MOBBING“ des Thüringer Ministers für Soziales, Familie und Gesundheit, Herrn Dr. Klaus Zeh, der die heutige Aktion mit seinen Worten und seinen schon am 27. November 2007 übermittelten guten Wünschen und herzlichen Grüßen freundlich unterstützt (zum Lesen die Abbildung anklicken): hier anklicken

Für die wegweisenden Ausführungen danke ich Herrn Minister Dr. Klaus Zeh herzlich.

Herzlich danke ich auch dem Herrn Bundestagsabgeordneten Volker Kröning für sein ermutigendes Statement gegen Mobbing:
„Ich kenne das Problem aus der öffentlichen und privaten Arbeitswelt. Die Lösung muss nach meiner Meinung in der jeweiligen Beschäftigungsorganisation
( Behörde, Betrieb) gefunden werden, doch auch die Öffentlichkeit sollte immer wieder aufgerüttelt werden, je stärker vor Ort ( in der jeweiligen Kommune, 
im Land ), desto besser.“

In einer Bürgeraktion in Berlin wurde zum ersten Mal der Anti-Mobbing-Award verliehen, und zwar an Herrn Bundestags-abgeordneten Markus Löning für das öffentliche Eintreten für „die Freiheit der Bürger und die Verbesserung ihrer Lebensqua-lität“ mit den wegweisenden Worten:

„Mobbing ist ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem, ob am Arbeitsplatz, in der Schule oder im privaten Umfeld. Es liegt in der Verantwortung eines jeden Bürgers, entschieden gegen jede Form des Mobbings einzutreten und Mobbing-Opfern Unterstützung zu leisten. Jeder sollte seine Stimme gegen Mobbing erheben !“

Als Bremer Bürger danke ich Herrn Bundestagsabgeordneten Markus Löning für das ermutigende Statement und erlaube mir, heute, auch Herrn Markus Löning MdB zum „selbstverständlichen Mitarbeiter“ in der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Mobbing
( BAM ) zu erklären wie schon am 2. Anti-Mobbing-Tag Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel.

„Selbstverständliche Mitarbeiter“ in der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Mobbing ( BAM ) sind alle Verantwortlichen, die sich gegen Mobbing aussprechen und die staatlichen Bemühungen gegen Mobbing selbstverständlich unterstützen. Gern 
erinnere ich heute hier in Bremen an die vielen staatlichen Bemühungen gegen Mobbing in unserem Land – insbesondere nach dem „Hilferuf“ aus allen 16 Bundesländern zur 
77. ASMK im Jahr 2000 – und danke allen Verantwortlichen in unserem Land für ihre Bemühungen gegen Mobbing herzlich !

Verantwortliche können für alle Menschen Wegweiser sein: Heute soll der „Wegweiser vom 3. Anti-Mobbing-Tag“ noch einmal der Öffentlichkeit gezeigt werden hier vor dem ehrwürdigen Schulgebäude Am Barkhof in Bremen mit den Worten DANKE allen Verantwortlichen, die Mobbing ächten !

Nicht alle Stellungnahmen gegen Mobbing können heute in der Bremer Veranstaltung öffentlich gezeigt werden; sie sollen im Internet nachlesbar sein.

Grußwort

„Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen im Namen des VPSM-Fachverbundes der unabhängigen Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberatungsstellen / Experten ( Psychologen / Pädagogen und Juristen ) für den 4. Anti- Mobbing-Tag am 2.12.2007 und Ihren weiteren Aktionen VIEL ERFOLG ! 
Lothar Drat Koordinator des VPSM–Fachverbundes“

Die Bremer Bürgerveranstaltung zum 4. Anti-Mobbing-Tag 2007 beende ich mit den folgenden Sätzen aus der „Rede von Bundespräsident Johannes Rau anlässlich der Veranstaltung zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, 
Berlin 2000“:

„Wir alle wären froh, wenn diese Demonstration nicht notwendig wäre. Aber leider
ist sie notwendig. Darum ist es gut, daß wir alle hier stehen. Darum sagen wir: 
Wir stehen auf für Toleranz und Menschlichkeit.

Jeder steht hier für sich. Wir stehen hier aber auch gemeinsam für die große Mehrheit der Deutschen und aller, die in Deutschland leben.

Ja, diese Demonstration ist ungewöhnlich. Es geht heute nicht um Forderungen einer bestimmten Gruppe an den Staat. Hier und heute demonstrieren Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit den Repräsentanten unseres Staates.

Wir wollen heute ein Zeichen setzen: Deutlich und unübersehbar. Ein Zeichen für uns selber, ein Zeichen für unser Land. Ein Zeichen aber auch für alle unsere Nachbarn und Freunde in der Welt, die sich – wie wir – Sorgen machen über Haß und Gewalt gegen Fremde und Schwache.

Wir sind ein Land der Toleranz und der Freiheit. Deshalb wollen und werden wir Barbarei und Gewalt nicht tolerieren.

Das klingt selbstverständlich. Das ist auch selbstverständlich. Aber das Selbstverständliche muß immer wieder neu gesagt und allen klar gemacht werden.

Wir suchen nach Erklärungen für Gewalt und Enthemmung. Erklärungen können nichts entschuldigen. Fremdenhaß und Gewalt gegen Minderheiten...

Wir dürfen nicht übersehen: In unserer Gesellschaft insgesamt haben wir zuviel Gewalt. Oft ist sie subtil. Das gilt für das Mobbing in der Arbeitswelt, das gilt für rücksichtsloses Verhalten im Alltag und auch in der politischen Auseinandersetzung. Das wird spürbar beim Kraftgeprotze im Straßenverkehr.

Wir können nur anständig miteinander umgehen, wenn wir Achtung vor uns selber und Achtung vor anderen haben.

Viele haben in den letzten Jahren ihr Selbstwertgefühl, ihre Selbstachtung verloren.
Sie müssen mit ansehen, wie nur noch der Starke, nur noch der Erfolgreiche, nur noch
der Durchsetzungsfähige zählt. Sie fühlen sich zurückgesetzt, vergessen, verlassen, wertlos.

Wer sich ausgegrenzt fühlt, grenzt leicht andere aus. Wer Angst hat, keinen Platz zu bekommen, der will schnell andere weghaben.

Wir müssen jungen Menschen Perspektiven für ihr Leben geben. Sie brauchen Orientierung. Sie brauchen Zeit und Zuwendung. Sie brauchen glaubwürdige
Erzieher, glaubwürdige Vorbilder.

Wir müssen für eine Gesellschaft arbeiten, in der jeder Achtung vor sich selber haben kann, in der jeder einen sinnvollen Platz einnehmen kann.

Anstand beginnt mit der Sprache. Unworte können Untaten hervorrufen.

Zeichen sind wichtig, aber Zeichen können das praktische Handeln im Alltag nicht ersetzen.

In allen Teilen unserer Republik gibt es Tausende, Zehntausende von Menschen, die in kleinen und großen Initiativen etwas für das friedliche Zusammenleben in Deutschland tun. Sie arbeiten in Verbänden und Initiativen, in Vereinen und Gewerkschaften, in Kirchengemeinden und Schulen.

...Die ehrenamtliche Arbeit für ein friedliches Zusammenleben in unserem Land braucht
die Unterstützung durch öffentliche Stellen, durch Verbände und Unternehmen. ...


Arbeiten wir f ür ein Deutschland, in dem wir alle gerne, frei und sicher leben können. Arbeiten wir für ein Deutschland, in dem wir ohne Angst verschieden sein können. 
Und das wir deshalb auch lieben können.“

Bremen, 2. Dezember 2007

BAKI-SCHULE, Bürgerinitiative seit 1986
Erich K.H. Kalkus
www.bakischule.de

"Unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarates, Terry Davis"

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