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Mitarbeiter mobben Chefin nach 30 Dienstjahren aus dem Job

Leiterin des evangelischen Kindergartens Neu-Anspach gibt ihren Beruf auf –
und läßt sich auf Kirchenkosten zur Mobbingberaterin ausbilden
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Vor fünf Jahren feierte sie ihr 25jähriges Dienstjubiläum: Zum 1. Januar 2000 wird die 53 Jahre alte Leiterin des evangelischen Kindergartens in Neu-Anspach aber etwas ganz anderes machen: Nachdem Elke Stügelmeier als Mobbing-Opfer eine schlimme Krise durchgemacht hat, wird sie zur Mobbingberaterin ausgebildet – die Kirche bezahlt den Lehrgang.


USINGER LAND. Man habe sie als „verrückt“ hingestellt, private Familienangelegenheiten ausgeplaudert und ihre Würde angetastet. Dreieinhalb Jahre sei sie von ihren Kollegen und Vorgesetzten in der Kirchengemeinde dermaßen „gemobbt“ worden, daß sie es schlicht nicht mehr ausgehalten habe, sagt Elke Stügelmeier: „Ich habe mir irgendwann selbst eingeredet, daß ich ´ne Macke habe.“ Anfangs wußte sie nicht, was „hier gespielt wird“. Bei Teambesprechungen sei sie bewußt ausgeschlossen worden. Sie kam sich vor „wie Johanna auf dem Scheiterhaufen“, habe nachts kaum geschlafen und sei jeden Tag „mit diesem furchtbar flauen Gefühl“ zur Arbeit gegangen. Sie war, und ist es formal heute noch, für 50 Kinder und fünf Mitarbeiter verantwortlich. Man hat ihr gedroht „Ich mache sie fertig“. Warum, das kann sich Elke Stügelmeier bis heute nicht so recht erklären.

„Was hier passiert ist, war kein glasklarer Mobbing-Fall“, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Streß und Mobbing (VPSM) in Wiesbaden, der in den Fall seit Dezember 1998 eingebunden ist. Sonst wäre der anschließende Prozeß gar nicht möglich gewesen. Ein „Ursachenbündel“ habe zu dem Konflikt geführt.

Eskaliert war die Krise, als der zuständige Dienstherr und Pfarrer der Gemeinde, Reiner Guist, seiner Mitarbeiterin im Oktober 1998 sieben Abmahnungen schickte: Sie habe mit Fäkalienwörtern die Kirche beschmutzt und eine Kollegin als pädagogisch unfähig bezeichnet, wurde ihr darin vorgeworfen. Außerdem habe sie den Pfarrer angeschrien und sich nicht dafür entschuldigt. Schließlich verlangte der Pfarrer von ihr, ein Attest über ihren psychischen Zustand vorzulegen. Sie ließ sich in der Tat krankschreiben („es war unerträglich“) und wandte sich an die Bruderhilfe, eine kirchliche Mitarbeitervertretung. Parallel sprach sie mit einer Anwältin, die die Angelegenheit vom Arbeitsgericht klären sollte.

Zu einem Prozeß ist es nicht gekommen. „Wir waren bemüht die Sache zu klären“, betont Pfarrer Guist. Keiner habe vorgehabt, die Frau psychisch fertigzumachen. Daß danach die detaillierte Aufarbeitung mit Tätern und Opfern folgte, bezeichnet Drat vom VPSM als absolute Ausnahme. „Meist schotten sich die Opfer ab und drehen sich im Kreis.“ Die Bereitschaft miteinander zu reden und ihn als neutralen Schlichter zuzulassen, müsse der Kirchengemeinde „hoch angerechnet werden“. Der Streit sei mittlerweile geschlichtet, alle Beteiligten hätten sich geeinigt. Das Resultat: Mit der Leiterin des Kindergartens wurde ein Auflösungsvertrag zum Jahresende vereinbart, bis dahin bekommt sie weiter ihr Gehalt, arbeitet aber nicht mehr in der Einrichtung. „Eine Zusammenarbeit konnten sich beide Seiten nicht mehr vorstellen“, sagt Drat. Die Abmahnungen seien aus der Personalakte herausgenommen worden. Frau Stügelmeier bereite mit der Weiterbildung, die von der Kirche bezahlt wird, ihre berufliche Zukunft als Arbeitsplatzkonflikt- und Mobbingberaterin vor, um anderen Betroffenen zu helfen.

Man habe bewußt versucht, die Sache nicht nach außen dringen zu lassen. „So was soll nicht wieder passieren“, hat sich Pfarrer Guist vorgenommen. Es gebe mittlerweile eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitstitel „Konfliktmanagement“, eine Art Nachsorge des „unglücklichen Vorfalls mit Frau Stügelmeier“, an die sich alle Mitarbeiter der Gemeinde halten müssen.

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Ihre Erfahrungen könne Elke Stügelmeier als Referentin in Sachen Mobbing weiterhin in der evangelischen Kirche anbringen. „Warum nicht“, sagt Elke Stügelmeier.

Von Nicole Galliwoda

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