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Mobbing im Pferdestall

Das tägliche Gift
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Von Ulrike Dobberthien


Niemand ist davor sicher. Es trifft Reitlehrer, Tierärzte, Frauen und Männer.
Es treibt zwölfjährige Mädchen weinend aus den Reitschulen, macht erwachsenen Trainern das Leben schwer und vermiest Menschen den Spaß am Pferd.
Mobbing ist das Schreckenswort, das Gemeinheiten wie Ausgrenzen, Sticheln und Verletzen, Lästern, herabsetzende Bemerkungen und Intrigen zusammenfasst, wenn sie regelmäßig und systematisch passieren. … Psychologen verstehen darunter systematisches Ausgrenzen und Zermürben eines Berufskollegen über längere Zeit. …


„Drei bis vier Prozent aller Berufstätigen erfahren in ihrem Berufsleben Mobbing am eigenen Leib“, schätzt Heinz Schüpbach, Professor für Arbeits- und Organisations-psychologie an der Universität Freiburg. … „Die durchschnittliche Mobbingdauer in Deutschland beträgt drei Jahre“, sagt Lothar Drat, Vorsitzender des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden. Da die Opfer sich im Recht fühlen, harren sie in ihrer unerträglichen Situation aus und leiden. Sie können nicht schlafen, mögen nicht essen, fühlen sich erschöpft, mutlos und werden depressiv.
„25 Prozent der Betroffenen erleben Mobbing wie einen Mord“, sagt Drat.


… Wie hoch der Leidensdruck ist, zeigt eine Untersuchung der Pferdebörse:
Fast 80 Prozent der Einsteller würden ihre Pferde am liebsten in Eigenregie halten, um der Kritik, den ätzenden Lästereien und den ewigen Auseinandersetzungen um Reiten, Futter und Pferdehaltung zu entfliehen. Ein gutes Stallklima scheint die Ausnahme, nicht die Regel. Fast jeder kennt Mobbing-Geschichten, viele waren bereits Opfer. Das geht beim Reiten besonders schnell, weil Ausrüstung, Reitweise, Können, Rasse des Pferdes und Ansichten über Fütterung und Haltung unzählige Angriffsmöglichkeiten bieten. … „Gemeinsames Mobben kann auch zerstrittene Gruppen wieder einen“, sagt der Gehirnforscher und Mobbing-Experte Dr. Alfred Fleissner. Außerdem tun Menschen viel um nicht allein zu sein. „Jeder Mensch hat Angliederungs-bedürfnisse und sucht Bestätigung in der Gruppe“, erklärt die Sozialpsychologin Dr. Sabine Otten. Fleissner nennt Menschen daher „territoriale Kleingruppen-Wesen“. „In einer Gruppe von sechs bis zehn Menschen, mit denen er gut vertraut ist, fühlt er sich am wohlsten.“ Der Wunsch nach Geborgenheit in einer Gruppe ist im Menschen tief verwurzelt. „Gemeinsames Mobben vermittelt ein gutes Gruppengefühl und stärkt den Zusammenhalt“, bestätigt auch der Arbeitspsychologe Prof. Heinz Schüpbach.


Stets sind die Grenzen zwischen Tratsch, Lästerei, übler Nachrede und Mobbing fließend. Sie werden auch unterschiedlich empfunden, je nachdem wie sensibel das Opfer ist. … „Unter den Opfern sind genauso viele Männer wie Frauen“, sagt Lothar Drat, der beim Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) Betroffene berät. „Es sieht nur immer so aus, als ob eher Frauen zum Opfer werden, weil sie früher Hilfe suchen als Männer, und sich damit als Opfer zu erkennen geben. …


Gemobbte Tierärzte sind meist jüngere Ärzte, die mit Elan eine neue Praxis eröffnen, viel Pferde- und Menschenverstand haben und neueren Heilmethoden aufgeschlossen gegenüber stehen, folglich gut im Geschäft sind. „Erst hieß es, ich liefe immer mit offener Hose rum und hätte was mit meinen Kundinnen und Angestellten“, sagt ein Betroffener, der nicht genannt werden möchte. „Dann hieß es plötzlich, meine Diagnosen seien immer unzuverlässig, anschließend operierte ich angeblich Pferde zu Krüppeln. Irgendwann kam der Vorwurf der Abzockerei: Ich sollte die Pferde absichtlich falsch behandeln, um sie länger in der Klinik zu behalten.“ Weil solche vermeintlichen Insider-Informationen in allen Ställen begeistert und ungeprüft durchgehechelt werden, kann eine solche Kampagne einen Tierarzt ebenso ruinieren wie einen Ausbilder.


„In 70 % der Fälle wird mit Gerüchten gearbeitet“, sagt Drat. … Und wer sind die Täter? „Es sind vor allem Menschen mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl“, sagt Dr. Jeannette Schmid. Einige psychologische Studien nennen auch Minderwertigkeitsgefühle als Grund für Mobbing. … Dass die Leistungen von Mobbern in der Regel durchschnittlich oder schlecht sind, weiß auch Drat. Dieser Neid richtet sich auch gegen Menschen, die sich durch Leistung oder Engagement auszeichnen…. dazu passt die subjektive Einschätzung vieler Opfer, dass sie aus reinem Neid gemobbt werden. Laut einer Studie empfinden das 76 % der Opfer. …


So wehren sie sich gegen Mobbing

Holen sie sich professionelle Unterstützung. Sprechen sie mit ihrem Hausarzt, einem Psychologen oder Psychotherapeuten, einer Beratungsstelle oder gehen sie zu einer Selbsthilfegruppe.

Zwei gemeinnützige Beratungsstellen bieten telefonische oder persönliche Beratung an und können Ärzte, Juristen und Psychotherapeuten in ihrer Nähe nennen:

Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (VPSM)
Kemmelweg 10
65191 Wiesbaden
Tel: 0611 9570381
0172-6133857
Internet: www.vpsm.de

Konfliktlösungsinitiative und Mobbing-Opfer Anlaufstelle (KLIMA e.V)
c/o Monika Fleissner
Vogt-Kock-Weg 9
22459 Hamburg
Tel: 040 55009924
76751855
Internet: www.klimaev.de

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