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Gerüchte waren der Anfang 
Gerhard Mende wechselt die Schule, aber die Gerüchte waren schon vor ihm da
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Gerhard Mende arbeitete an einem Gymnasium in einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen. Mende unterrichtete Schüler der Sekundarstufe I in den Fächern Deutsch und Sport. Bei Jungen und Mädchen war er einer der beliebtesten Lehrer an der Schule. Sein Sportunterricht war über die Schule hinaus bekannt. Er lehrte nicht, wie viele seiner Kollegen, mit Strenge und Druck, sondern verstand es, auf die Belange und Nöte der Schwächsten im Unterricht einzugehen. Mende erreichte, was nur wenigen gelingt: Er konnte selbst unsportliche Schüler für Körperertüchtigung begeistern. Auch in Deutsch kam Mende gut an. Der Notendurchschnitt seiner Klassen war erstaunlich hoch.

Es war Ende März 1992, als Gerhard Mende erfuhr, was hinter seinem Rücken über ihn getuschelt wurde. Einige Kollegen seines Fachbereiches beschuldigten ihn, sich den Schülern „körperlich zu distanzlos“ zu nähern. Mende leugnete nicht, mal den Arm um die Schulter eines Schülers gelegt zu haben. „Das konnte man interpretieren, wie es einem gerade in den Kram paßte“, sagt Mende heute.

Zunächst schenkte er dem Gerede nicht viel Interesse. Doch mit der Zeit wurde er zum Außenseiter. Seine Fachkollegen beteiligten ihn nicht mehr an Unterredungen, egal ob beruflich oder privat; auf seinen morgendlichen Gruß erhielt er keine Antwort; dauernd schwebte das Gespenst vom sexuellen Mißbrauch im Raum.

Trotz des Geredes hielten Eltern und Schüler zu Mende. Kein Elternteil belastete ihn, kein Schüler bestätigte die Gerüchte. Dennoch: Mende wurde versetzt - an eine Grundschule.

Noch bevor Mende den Streß seines ehemaligen Arbeitsplatzes verdaut hatte, brodelte schon die Gerüchteküche an der Grundschule. Das Lehrerkollegium, über den Grund der Versetzung informiert, warf Mende Annäherungsversuche an Schüler vor. Eltern wurden mißtrauisch und wollen nicht, daß ihre Kinder von Mende unterrichtet wurden. Beim Einkaufen, im Schwimmbad, im Kino, überall, wo Mende Kollegen oder Eltern begegnete, stieß er auf eisiges Schweigen. Kein „Guten Tag“, kein „Wie geht`s“, kein „Bis bald“.

Die Ablehnung verunsicherte ihn so sehr, daß er bei den jungen Schülern an Autorität verlor. Aufgehetzt von Eltern und Lehrern weigerten sich die Kinder, dem Unterricht zu folgen, störten, wurden unverschämt zu Mende.

Mende wurde krank. Chronische Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Hörsturz. Noch während einer langen und intensiven Psychotherapie verließ Mende mit seiner Frau und vierjährigen Tochter die Stadt. Es war die einzige Chance für einen neuen Anfang.

Rückblickend und aus der Distanz erklärt Mende das Mobbing gegen ihn als Versagen seiner Kollegen. An dem Gymnasium wurde er „liquidierend“, wie er sagt, weil die Kollegen des Fachbereiches ihm seinen guten Kontakt zu den Schülern neideten. Viele Lehrer dort versuchten, mit Disziplin und Leistungsdruck die Schüler für den Unterrichtsstoff zu gewinnen und sich Autorität zu verschaffen. Oft vergeblich. Mende zeigte, daß Einfühlung mehr Wirkung erzielte.

An der Grundschule scheiterte er aus einem anderen Grund. Das Lehrerkollegium bestand mit Ausnahme eines Kollegen aus Frauen. Einige der Frauen waren an Mende interessiert, das zeigten sie recht bald, nachdem Mende dort anfing zu unterrichten. Mende, damals Mitte dreißig und recht attraktiv, nahm die Angebote gar nicht wahr.Heute, nachdem er die Dinge mit Hilfe seiner Therapie klarer sieht, erinnert er sich an Situationen und Gespräche, die eindeutig auf sexuelles Interesse der Frauen schließen lassen. Einige Kolleginnen fühlten sich abgelehnt.

Die Erlebnisse von Mende ähneln zwei Grundmustern von Mobbing, die der schwedisch-deutsche Mobbingforscher Heinz Leymann beschreibt:

1. Eine Gruppe sucht sich einen Sündenbock für ihre eigene Unzufriedenheit. (Die weniger erfolgreichen Kollegen des Gymnasiums, die Mende den guten Kontakt zu den Schülern neideten.)

2. Den Angriffen ligt eine persönliche Feindschaft zugrunde. (Die Kolleginnen, die enttäuscht waren, daß Mende auf ihre Angebote nicht einging.)

 

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