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Polizei — dein Feind und Mobber?
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Roland Bäurle
Immer öfter klagen Beamtinnen über Mobbing und sexuelle Belästigung im Dienst – bedauerliche Einzelfälle? Unser Beispiel zeigt: Der Psychoterror hat Methode, und manchmal ist ihm auch die stärkste Frau nicht gewachsen.

Susanne F. lebt. Und sie ist immer noch Polizistin. Beides grenzt an ein Wunder.
Die Geschichte dieses Wunders ist zugleich die Geschichte eines Alptraums. Er beginnt, als Susanne 1993 nach fünf Jahren bei der Schutzpolizei zur Kripo wechselt. Dort gibt es normalerweise eine Wartefrist, denn viele Polizisten arbeiten lieber tagsüber im Büro, statt nachts im Streifenwagen durch die Stadt zu jagen. Eigentlich müsste auch Susanne noch das eine oder andere Dienstjahr absitzen – aber wegen ihrer hervorragenden Beurteilungen engagiert der Dienststellenleiter sie sofort. Es dauert Monate, bis Susanne merkt:
Der Wechsel ins Rauschgift-Dezernat war der größte Fehler ihres Lebens. Schon als sie ihr Büro bezieht, wundert sie sich: Keiner der neuen Kollegen begrüßt sie, keiner bietet ihr seine Hilfe an. Ganz allein schleppt sie Kisten und Büromöbel durch den Flur. Nur der Dienststellenleiter schaut vorbei, hilft ihr, ein Regal zusammenzuschrauben.

Anfangs denkt Susanne, die Beamten bei der Kripo seien eben ein wenig reserviert. Sie versucht es mit Freundlichkeit, aber ohne Erfolg. Betritt sie morgens das Geschäftszimmer, verstummen die Gespräche schlagartig, und ein Kollege nach dem anderen verlässt den Raum. Alle außer dem Chef behandeln die Neueinsteigerin, als wäre sie Luft. „Halt dich ruhig, das spielt sich schon ein", beschwichtigt der Dienststellenleiter, als sie ihn einmal darauf anspricht. Aber auch nach drei Wochen geht immer noch jeder grusslos an Susanne vorbei.

Bis sie ihre Wohnung wechselt und den Umzug in ihrer Dienststelle meldet. Sofort spricht sich herum: Die Neue hat sich von ihrem Freund getrennt. Noch am selben Tag tauchen nacheinander fünf Kollegen bei Susanne im Büro auf. Der erste legt ihr einen Zettel auf den Schreibtisch, grinst und sagt gönnerhaft: „Na, Mädel, ich hab' gehört, es läuft nicht so toll bei dir. Ich gebe dir mal meine Nummer, kannst mich ja anrufen und dich aussprechen." Ein anderer, dessen Frau gerade das zweite Kind erwartet, fragt scheinheilig: „Wohnst du jetzt allein?' Und als Susanne nickt, lügt er. „Ich weiß, wie das ist, hab' selber gerade eine Trennung hinter mir. Wir könnten ja mal zusammen weggehen, was trinken, ein bisschen reden." Bis Dienstschluss liegen auf Susannes Schreibtisch fünf Zettel mit den Telefonnummern von Kollegen, die sie „trösten" wollen. „Wofür halten die mich eigentlich? Für eine Art Freizeit-Hure, nur weil ich blond und schlank bin?"
Zum ersten Mal steigt Wut in ihr auf. Nach außen lässt sie sich nichts anmerken, erträgt die plumpe Anmache sprach- und fassungslos. Die Zettel wirft sie weg. Von da an ist sie bei den Kollegen endgültig unten durch. Als Neuling müsste sie vom Team in die Arbeit eingebunden werden. Doch Susanne sitzt den ganzen Tag in ihrem Büro, während die anderen zu zweit oder zu dritt an einem Fall arbeiten. Sie erntet höchstens Kopfschütteln, wenn sie fragt „Habt ihr was zu tun für mich?" Nur der Chef bringt ihr manchmal Akten, die sie bearbeiten soll. Zumindest in den ersten Monaten.

In keiner anderen Berufsgruppe werden Frauen so häufig gemobbt und damit meist auch sexuell belästigt, wie bei der Polizei. (an dieser Stelle ist den Verfassern m.E. wohl ein wenig der „Gaul durchgegangen“ - bis dato führt das Sozial- und Gesundheitswesen eindeutig die Hitliste von Mobbing an / L. Drat) So ergab kürzlich eine Studie in Nordrhein-Westfalen: Jede vierte Polizistin sei dort von Kollegen oder Vorgesetzten schikaniert und angemacht. Die meisten von ihnen bekommen wie Susanne „unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht", sie müssen sich schlüpfrige Bemerkungen über ihre Figur oder ihr Sexleben anhören, sie werden begrapscht und in den Po gekniffen. Solche sexuellen Übergriffe sind eine (allerdings eher seltenere / L.Drat) von mehreren Mobbing-Strategien. Die anderen lauten: ausgrenzen, verleumden, fiese Gerüchte streuen – besonders oft solche, die sich um das Sexualleben drehen. Die Mehrzahl der Betroffenen schweigt. Nur zehn Prozent wagen es, sich zu beschweren: Susanne gehört zu diesen zehn Prozent. Zunächst spricht sie ihre Kollegen direkt an: „Sag' mal, was hab' ich dir eigentlich getan?" Die Antworten sind ausweichend oder bleiben ganz aus. Schließlich geht sie wieder zum Chef. Der fleht daraufhin in der nächsten Dienstbesprechung sein Team an: „Bindet die Kollegin doch ein." Tags darauf bekommt Susanne kurz vor Dienstschluss den Auftrag, einen Einsatzplan für den nächsten Tag zu schreiben. Bei anderen dauert diese Arbeit eine Stunde. Susanne ist nach zehn Minuten fertig. „Kann ich sonst noch was für dich tun?", fragt sie lächelnd den Kollegen, der eigentlich sehen wollte, wie sie scheitert. Die Kripo-Beamten sind nicht reserviert, wie Susanne anfangs glaubte, sie wollen sie loswerden. Das wird ihr endgültig in jener Nacht klar, in der sie fünf Festnahmen auf einmal zu bearbeiten hat. Bis zum nächsten Mittag müssen dem Staatsanwalt stichhaltige Haftgründe vorliegen, sonst sind die verdächtigen Drogen-Dealer wieder frei. Im Normalfall arbeitet in einer solchen Situation das ganze Team zusammen. Susanne bekommt nur zu hören: „Meinst du wirklich, dass du deine Haftsachen schaffst?" Sie schafft es. Die Unterlagen für die Haftbefehle werden in letzter Minute fertig und sind so perfekt, dass der Staatsanwalt damit problemlos beim Haftrichter durchkommt. Freunde im Dezernat schafft sich Susanne mit dieser Leistung nicht. Ihre Kollegen haben meistens mehr Zeit für ihre Berichte – und der Staatsanwalt schickt die Akten trotzdem oft zurück, weil die Haftgründe nicht präzise genug formuliert sind. Susanne fordert den Dienststellenleiter noch einmal auf, endlich etwas gegen das Mobbing zu tun. Doch der sagt nur „Frauen auf der Dienststelle, das gibt nur Ärger. Hätte ich das bloß mal gelassen." Susanne blafft zurück:
„Was kann ich denn dafür, wenn die Beamten hier nur mit der Hose denken?"
Von da an herrscht eisiges Schweigen. Es gibt jetzt immer mehr Tage, an denen Susanne ihre Kollegen nur noch kurz am Morgen sieht, wenn sie sich Kaffee holt. Danach sitzt sie von halb acht bis 16 Uhr in ihrem Zimmer und hat nichts zu tun. Aus Langeweile macht sie einen Sprachkurs, lernt Türkisch, statt gegen Dealer zu ermitteln.

Mobbing. Das heißt auf Deutsch: anpöbeln, angreifen, fertig machen. Es geschieht überall, aber besonders häufig in Behörden. Jedes zweite Mobbing-Opfer kommt aus dem öffentlichen Dienst, so die Erfahrungen des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing in Wiesbaden. Der Vereinsvorsitzende Lothar Drat: „Das Hauptmotiv fürs Mobben ist Neid. Es trifft überwiegend kreative, leistungsbewusste Mitarbeiterinnen, die (u.U. hier auch / L.Drat) den Nachteil haben (können), attraktiv auszusehen."

Susanne könnte auch als Model arbeiten, sie spricht sechs Sprachen, sie liefert dem Staatsanwalt klar gegliederte und geschliffen formulierte Berichte. Und sie bekam eine Stelle, obwohl es Bewerber gab, die schon viel länger warteten. Das alles erzeugte Hass und Ablehnung bei ihren elf männlichen, aber auch bei ihrer einzigen weiblichen Kollegin – die es bis dahin nicht gewohnt war, eine Konkurrentin neben sich zu haben.

Der Dienststellenleiter ruft Susanne zu sich. Er zeigt ihr einen anonymen Brief. Der Schreiber petzt, Susanne habe sich in einer anderen Abteilung beworben, sei aber gescheitert. Sie wird rot, die Sache ist ihr peinlich. Der Chef zerreißt den Brief vor ihren Augen und wirft ihn in den Papierkorb. Damit, so sagt er, sei die Sache für ihn erledigt. Ein paar Wochen zuvor, hatte Susanne ihren Chef noch aufgefordert, den Denunzianten zu ermitteln und gegen ihn vorzugehen. Aber dazu hat sie nicht mehr das Selbstbewusstsein. Sie schämt sich, ist froh, ... Susanne ... wehrt sich nicht. Sie duckt sich, hofft, das alles ginge einfach vorbei. Im Gegenteil.

Es wird noch schlimmer.

Was Susanne in ihrer Dienststelle widerfährt, dürfte eigentlich gar nicht passieren. Denn es gibt Frauenbeauftragte bei der Polizei. Es gibt Personalräte. Es gibt Anti-Diskriminierungs-und Arbeitsschutzgesetze. Jede Frau kann sich gegen Mobbing wehren. Allerdings nur in der Theorie. In der Praxis werden die meisten Frauenbeauftragten von ihren – männlichen –Dienstherren bestimmt und haben wenig bis gar nichts zu sagen. Zum Thema „Mobbing an Polizistinnen" befragt,
legt die Beauftragte in München vor allem Wert auf die Feststellung, sie sei keine Frauen, sondern eine Gleichstellungsbeauftragte. Und gemobbt würden auch Männer. Ihre Kollegin in Hamburg teilt mit, sie dürfe nur ganz allgemein zum Thema „Frauen" etwas sagen. Über „Mobbing" zu sprechen, dafür habe sie vom Dienstherren keine Erlaubnis. Und die Personalräte? Das sind überwiegend Männer, die nach Susannes Erfahrung „keine Lust mehr haben zu arbeiten und nur noch ihre Ausflüge organisieren. Wenn ich denen etwas im Vertrauen erzähle, weiß es hinterher jeder."

Die Kollegen bekommen mit, dass Susanne einen neuen Lebenspartner hat. Von da an klingelt bei ihm regelmäßig das Telefon, sobald sie im Einsatz ist: „Was willst du eigentlich mit der Schlampe? Weißt du überhaupt, was die gerade macht? Die liegt bei einem anderen Kerl im Bett." Susanne wird krank, leidet ständig an Magenschmerzen. Nachts wälzt sie sich schlaflos im Bett. Immer wieder schießt ihr derselbe Gedanke durch den Kopf: „Was musst du für ein Arschloch sein, dass die so mit dir umgehen." Susanne möchte am liebsten fliehen, weit weggehen, irgendwo anders neu anfangen. Aber als Polizistin kann sie nicht einfach das Bundesland wechseln. Und auch nicht den Job. Mit ihrer Ausbildung, da ist sie sicher, käme sie höchstens noch als Nachtwächterin unter. Ihr bleibt nur ein Ausweg: Sie bittet offiziell um Versetzung in eine andere Dienststelle. Deren
Leiter habe längst von Susanne gehört – das ist doch diese Zicke, mit der es dauernd Ärger gibt. Natürlich will keiner diesen Ärger in seiner Abteilung haben. Und so wartet Susanne vergeblich auf eine freie Stelle. Monate vergehen, in denen sie jede Hoffnung verliert und jedes Vertrauen zu sich selbst. ...

„Mobber sind Heckenschützen", sagt der Sozialpädagoge Lothar Drat, „ und wer gemobbt wird, erkennt die Gefahr meistens viel zu spät. Vieles wirkt zufällig und harmlos, man kann ja tatsächlich mal jemand übersehen, eine Einladung vergessen, ein Gerücht weitererzählen, das man halt irgendwo gehört hat. Nur, beim Mobbing dauern diese kleinen Nadelstiche an. Sie verletzen Körper Geist und Seele erst ganz allmählich, aber dafür umso schlimmer.

Schlafstörungen, Herzprobleme. Kopf- und Magenschmerzen sind die verbreitesten körperlichen Symptome. Vor allem aber „macht Mobbing aus lebenslustigen Menschen ängstliche, graue Mäuschen," weiß Lothar Drat. „Die Menschen ziehen sich zurück, werden depressiv. Manche verhalten sich querulatorisch oder einfach nur sonderbar." Im Laufe der Zeit legen viele tatsächlich ein Verhalten an den Tag, das sie unbeliebt macht. In rund der Hälfte aller Fälle (falsch; - in der Mitte eines Mobbing-Prozesses / L.Drat), so Drat, heißt es dann irgendwann, die Betroffenen seien psychisch krank und darin liege die Ursache allen Ärgers (was sie reaktiv in der Regel auch werden / L.Drat).

Susanne denkt an Selbstmord. Sie wäre nicht die erste Polizistin, die von Kollegen zu Tode schikaniert wird.

So beschwerte sich Stefanie L. in ihrer Berliner Dienststelle über zwei Kollegen, die stundenlang Karten spielten, statt Streife zu fahren. Wenig später stürmte ein Sondereinsatzkommando ihre Wohnung und brachte sie in eine Nervenklinik. Sie sei geistesgestört, hieß es. Doch die Aufnahmeärztin konnte dafür keine Anzeichen feststellen und schickte die 24 Jährige wieder heim. Danach wollte kein Kollege mehr etwas mit Stefanie L. zu tun haben. Im Juli erschoss sie sich im Haus ihrer Eltern. Die Staatsanwaltschaft leitete ein „Todesermittlungsverfahren" ein, das später ein gestellt wurde. Der Berliner Polizeipräsident sprach von einem „tragischen Einzelfall", ein Mobbingproblem gibt es nicht.

(Er äußerte aber auch in einer uns vorliegenden Fernsehsendung: „Es ist in unserer Gesellschaft unüblich geworden offen und im Klartext miteinander zu reden und dies ist eine der Hauptursachen von Mobbing“ - einen Satz, den wir als wichtig, mutig und wertvoll betrachten / L. Drat)

In München begann Sylvia B. im vorigen Dezember ihren Dienst in einer Polizei-Inspektion. Aus der fröhlichen 22 Jährigen wurde binnen weniger Wochen ein Nervenbündel. Drei Kollegen auf der Inspektion machten sich einen Spaß daraus, sie mit solchen Sätzen zu quälen: „Wie du ausschaust, hast du bestimmt die
ganze Nacht durch gefickt." Sie wurde beleidigt, gedemütigt, ausgegrenzt. Schon nach zwei Wochen im Dienst rief Sylvia B. bei der Gleichstellungsbeauftragten an, bat außerdem den Personalrat um Hilfe. Ihr wurde gesagt, sie müsse Beweise liefern, Fakten. Wie Susanne litt Sylvia B. unter Magenbeschwerden, lag deswegen sogar im Krankenhaus. An ihrer Verzweiflung änderte das nichts. Am 14. Februar machte sie sich von ihrem Heimatort in der Nähe von Augsburg auf den Weg ins 40 Kilometer entfernte München und mit jedem Kilometer, den sie ihrer Dienststelle näher kam, muss ihre Panik gewachsen sein. Etwa auf halber Strecke Fuhr sie auf einen Autobahnparkplatz, hielt sich ihre Dienstpistole an die Schläfe und drückte ab. Sie starb nach genau 76 Tagen Psychoterror.

Susanne wenigstens lebt. Sie überwindet sich nach monatelangem Kampf dazu, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Die Telefonnummer sieht sie zufällig auf einem Autoaufkleber, zögert aber zunächst mit dem Anruf. Eigentlich hält sie nichts von derlei Gruppen. Lauter Opfer, die sich gegenseitig was vor jammern, weinerliche Idioten, die wahrscheinlich in ihrem Beruf versagt haben und jetzt die Verantwortung dafür abwälzen wollen – das sind die Leute, die Susanne in der Gruppe erwartet.

Doch sie trifft (beim VPSM / L.Drat) Menschen, die etwas ganz Ähnliches erlebt haben wie sie selbst. Menschen die ihr den Rücken stärken, und ihr das Gefühl geben, eben kein Störenfried zu sein, sondern eine ganz normale Frau. Ein Jahr lang hatte Susanne die Schuld bei sich gesucht, mit niemandem über ihre Erlebnisse bei der Kripo geredet. Jetzt erst durchschaut sie langsam die Mechanismen, erkennt auch Fehler die sie selbst gemacht hat. Allmählich wird ihr klar Es war falsch abzuwarten, und zu hoffen, alles würde von allein wieder aufhören. Je duldsamer Susanne war, je mehr sie versuchte, an ihre Kollegen heranzukommen, desto mehr wurde sie abgewiesen.

Schon vom ersten Tag an hätte sie sich nichts gefallen lassen dürfen. Sie hätte dem Dienststellenleiter ins Gesicht sagen sollen, was sie nur insgeheim dachte: „Du hast einen Sau-Haufen hier, kümmere dich gefälligst darum. Sonst mach ich es." Auch der schwer fällige Hintern eines lang gedienten Beamten lässt sich nämlich in Bewegung bringen, wenn jemand ihm mit einer Beschwerde beim Vorgesetzten droht. Viele Mobber halten ihr Tun für witzig, mindestens aber gerechtfertigt. „Jemand, der sich gemobbt fühlt, sollte es öffentlich machen. Vor allen anderen Kollegen den vorführen, der stichelt. Das empfiehlt Elke Rath ,Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei. Sie gehört zu den wenigen in ihrem Berufsstand, die klipp und klar sagen: Es gibt Mobbing bei der Polizei. Und die Tendenz ist steigend."

Das Hauptproblem: Fast allen Beteiligten fehlt es am Unrechtsbewusstsein. Vielen Mobbern ist gar nicht klar, wie sehr sie andere verletzen. Sie halten ihr Vorgehen für witzig, mindestens aber für gerechtfertigt. Frauen bei der Polizei gibt es in den meisten deutschen Bundesländern erst seit höchstens 15 Jahren. Das Sagen im Revier haben oft alte Patriarchen, die an sexistischen Bemerkungen nichts Schlimmes finden können. Solange aber der Chef nur wohlwollend grinst, mobben seine Untergebenen fröhlich weiter.

Lothar Drat: „Mobbing ist immer auch ein Anzeichen für Führungsschwäche."

... Polizisten werden nahezu automatisch befördert, sie machen Karriere durch das Absitzen von Dienstjahren. „Wenn jemand mehr arbeitet, damit es schneller geht, knüppeln ihn die andern gnadenlos nieder, denn er stellt sie ja in ihrer Arbeitsweise in Frage. Sich irgendwie hervortun oder aufmucken, das wird unter Beamten nicht geduldet", sagt auch Sylvia B. gemacht, die beide als besonders fleißig galten - nur können sie heute nicht mehr darüber reden.

Die Leidenszeit von Susanne endet nach zwei Jahren. Dann endlich findet sich doch ein Dienststellenleiter der bereit ist, der 26 Jahre alten Kriminalbeamtin in seiner Abteilung eine neue Chance zu geben. Und siehe da: Die Arbeit mit der vermeintlichen Querulantin klappt hervorragend. Susanne versteht sich bestens mit ihren neuen Kollegen. Manchmal allerdings holt die Vergangenheit sie wieder ein. Im Flur ihrer alten Dienststelle, die sie ab und zu aufsuchen muss, wenn sie gegen jemand ermittelt, der auch mit Drogen zu tun hat. „In diesem Flur, sagt sie, „ habe ich immer ein beklemmendes Gefühl, als ob einer hinter mir steht und mir den Hals zudrückt." Oder auch neulich, als sie von Sylvia B. in der Zeitung las. Da spürte sie wieder diese Ohnmacht, konnte nachempfinden, wie einsam sich Sylvia gefühlt haben muss. Susanne wusste genau, was in Sylvia vorging, als sie sich die Pistole an die Schläfe setzte.

Susanne F. lebt. Sie wird nicht mehr gemobbt. Aber etwas in ihr, sagt sie, sei kaputtgegangen. Die Liebe zum Beruf, die Leidenschaft und der Idealismus, die sie vor Jahren in den Polizeidienst führten, sind verschwunden. Heute arbeitet sie nur noch bei der Polizei, um Geld zu verdienen.

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