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VOX - Frauenzimmer.de |
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Mehr als jeder neunte Berufstätige ist oder war schon einmal Opfer von Mobbing. Von Ursula Willimsky Klar, kleine Sticheleien im Büro wird es immer geben, und die gehören auch irgendwo dazu. Eine Lästerei über die un-mög-lichen Strümpfe der Kollegin – "Hell! Und dabei Doch wenn es richtig bösartig wird, wenn plötzlich eine Kollegin mit Worten, Taten Ein klares: "Kannst Du das beweisen?", wenn eine Kollegin mit Unterstellungen um sich wirft, oder schon ein: "Das wird mir jetzt zu bösartig" nimmt so manchem Lästermaul den Wind aus den Segeln und signalisiert, dass nicht die ganze Bürogemeinschaft so tickt wie die vermeintliche Rudelführerin. Typisch weiblich AggressionJungs schlagen, raufen und boxen, wenn sie aggressiv sind. Mädchen sind lieb. ein Ventil sucht. Und ganz oft entsteht Mobbing in Büros, in denen alle Karriere machen wollen. "Gerade eher durchschnittlich begabte Mitarbeiter glauben dann, dass sie mit der Stigmatisierung von Kollegen Karriere machen können", sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing. Ein Teufelskreis beginntErst wird schlecht über einen geredet. Irgendwann kann man das nicht mehr ignorieren. Man wird fahrig, nervös – vielleicht unterlaufen einem zu diesem Zeitpunkt sogar tatsächlich Fehler. Der Mobber wird bestätigt – und spätestens dann kann man Soweit darf man es als Mobbing-Opfer nicht kommen lassen: Sich auf jeden Fall wehren, bevor andere Kollegen – oder der Vorgesetzte - die üblen Nachreden als Tatsache hinnehmen! Erfordert viel Courage, ist aber ein probater erster Schritt: Den Mobber direkt ansprechen. Grenzen aufweisen. Nicht zwischen Tür und Angel, und auch nicht da, wo alle mithören können. Sondern unter vier Augen: "Was soll das? Worum geht´s Dir eigentlich?“" Istder Aggressor der Chef, wird die Sache schon heikler. Lothar Drat empfiehlt die "öffnende Zauberfrage": "Sagen Sie mal, welche zwei, drei Sachen wünschen Sie sich von meiner Seite, damit wir in den nächsten Jahren gut zusammenarbeiten können?" Das hat nichts mit Selbstverleugnung zu tun, sondern ist ein cleverer Schachzug – der Vorgesetzte fühlt sich nicht durch Vorwürfe in die Ecke gedrängt, muss aber Stellung nehmen und deutliche Anweisungen geben.Und nimmt sich damit selbst den Boden für weitere Mobbing-Attacken. Mangelnde Führungsqualitäten gelten übrigens als eine der Hauptursachen für Mobbing im Betrieb. Da, wo klare Richtlinien herrschen, haben Querulanten es schwer. Holen Sie sich HilfeEgal, ob der Chef oder die Kollegin die Übeltäterin ist – nicht jede hat genug Selbstvertrauen, allein mit der belastenden Situation zurechtzukommen. Und ("3.11.: Frau Schmidt hat wichtige Informationen auch auf Nachfrage nicht weitergegeben."). Ein solches Tagebuch kann im Ernstfall sogar wichtig für eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht sein – und es hilft, die leidige Angelegenheit wenigstens ein bisschen zu verarbeiten. Je länger das Mobbing schon anhält, desto wackliger ist das Selbstwertgefühl ja ohnehin. Mobbing geht an die Substanz. Und das darf man ruhig zugeben. Wer allein nicht mit der Situation zurechtkommt oder Angst hat, dass nach einer Aussprache alles nur noch schlimmer wird – der sollte sich Hilfe holen, bevor er aktiv wird. In jeder größeren Stadt gibt es entsprechende Anlaufstellen oder Selbsthilfegruppen. Auch Frauenbeauftragte, Krankenkassen, Betriebs- und Personalrat, ein Vorgesetzter oder die Personalabteilung können Anlaufstellen sein. Lothar Drat: "Die einen sind die Polizei – die anderen die Feuerwehr." Will heißen: Wer sich Hilfe innerhalb des Betriebes holt, muss damit rechnen, dass der Mobbingfall Konsequenzen haben wird. Wer sich Hilfe von außen holt, wendet sich an die "Mobbing-Feuerwehr": Dort wird niemand bestraft, sondern Ursachenforschung betrieben und Lösungsmodelle gefunden. Der Vorteil: Bei einer externen Beratung muss man kein Blatt vor den Mund nehmen und kann sich im Überschwang der Gefühle verbal auch mal sehr weit aus dem Fenster lehnen. Gerade heiklere Situationen – wenn etwa der Schuldige zugleich der Sohn eines Vorstands- mitgliedes ist – lassen hier manchmal leichter in den Griff bekommen als bei einer betriebsinternen Stelle. Sofort handelnGenerell empfehlen Experten, sich so früh wie möglich gegen jede Art von systematischer Schikane zur Wehr zu setzen. Das gilt auch für sexuelle Belästigung. Wer bei den ersten Versuchen sofort Grenzen setzt, verhindert, dass der Aggressor sich an die Grenzenlosigkeit gewöhnt. Und dann vielleicht sogar fassungslos reagiert, wenn man plötzlich nicht mehr jede Anzüglichkeit einfach erträgt. |
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