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Der Arbeitsplatz als Krisengebiet. Fast jeder kennt Tage, an denen sich die ganze Bürowelt gegen einen verschworen zu haben scheint. Auf dem Schreibtisch türmen sich Berge mit unerfreulichen Aufgaben. Kunden und Geschäftspartner gebärden sich anstrengend und kapriziös. Den Großteil der Kollegen hätte man am Liebsten nie kennen gelernt, sämtliche Vorgesetzte sowieso nicht. So nagt an manch einem der Gedanke, ob es sich wirklich lohnt, bis zum Eintritt ins Rentenalter auf einer ungeliebten Stelle auszuharren. Das Hauptargument, das stets gegen einen Jobwechsel spricht: Die Miete will bezahlt werden. „Bei extremer Belastung um jeden Preis durchhalten zu wollen – das kann bedeuten, dass man seine Energie ans falsche Ende steckt“, bestätigt Carolin Fischer, Diplom-Psychologin und Karrierecoach in der Personalberatungsfirma von Rundstedt & Partner in Berlin. Eins ihrer Spezialgebiete ist Outplacement, also die professionelle Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung. Sinnvoll sei es, wenn der Job zur Quälerei geworden ist, zunächst für sich selbst zu analysieren, wo das eigentliche Problem liegt. Was setzt einem genau zu? Ist es Unterforderung? Überforderung? Schlechte Bezahlung? Schikane vom Chef? „Es gibt eine Menge Faktoren, die Einfluss auf die Zufriedenheit am Arbeitsplatz haben, und die man bewusst steuern kann“, sagt Fischer. Jeder hat die Möglichkeit selbst aktiv zu werden um die eigene Situation zu verbessern. Das kann ein klärendes Gespräch mit Kollegen sein oder die Bitte an die Firmenleitung um neue, anspruchvollere Arbeiten oder um Entlastung. Die Handlungsspielräume sind dabei meist größer, als man denkt. „Auch in einer vermeintlich aussichtslosen Situation kann man offensiv auf Vorgesetzte und Kollegen zugehen und fragen: Was kann ich tun, damit wir in den nächsten Jahren erfolgreich zusammen arbeiten?“, meint Lothar Drat. Klar ist: Jeder kann an einen Punkt kommen, an dem die Begriffe Job und Spaß zu unvereinbaren Gegenpolen geworden sind. „Die Reißleine sollte man ziehen, wenn man sich regelmäßig morgens vor der Arbeit grault – und abends schon vor dem nächsten Morgen“, sagt Christian Püttjer, Karrierecoach und Buchautor aus Bredenbek in Schleswig-Holstein. „Dann kostet das Durchhalten zu viel Lebensqualität.“ Entscheidend ist außerdem die Frage, ob Unlust und Erschöpfung im Zusammenhang mit dem Job nur temporär auftreten oder über Jahre hinweg ständige Begleiter sind. Stresssymptome wie Nervosität, Schlaflosigkeit, mangelnder Appetit sind wichtige Zeichen, die darauf hindeuten, dass die Lebensumstände geändert werden sollten. „Krankheit ist ein untrüglicher Indikator, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob man bleiben oder gehen sollte“, sagt Carolin Fischer. „Vor Kurzschluss-Reaktionen muss man im Zusammenhang mit Kündigungen trotzdem immer warnen.“ Grundsätzlich sei jeder Jobwechsel ein wichtiges Projekt und wolle entsprechend geplant sein: „Bei der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt kann man jedem nur empfehlen, erst dann zu kündigen, wenn man den nächsten Arbeitsvertrag sicher in der Tasche hat.“ Karriereschub durch den JobwechselChristian Püttjer empfiehlt zunächst, die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu sondieren und dabei nicht nur die Stellenanzeigen in den Wochenendausgaben und das Internet zu bemühen, sondern sich auch direkt an Handelskammern zu wenden, um so zu klären, für wen im näheren Umkreis die eigene Qualifikation interessant sein könnte. Ein wichtiger Punkt, der in dieser speziellen Bewerbungsphase beachtet werden muss: Jeder Jobwechsel muss gut begründet werden. Akademiker, die nach drei Jahren einen neuen Arbeitgeber suchen, können angeben, dass sie sich von dem Jobwechsel einen Karriereschub erwarten. Argumentativ schlechte Karten hat jedoch beispielsweise eine 45-jährige Sachbearbeiterin, die bereits seit 15 Jahren ihre aktuelle Stelle besetzt. Auch wenig scharfsichtige Gemüter kommen in einem solchen Fall schnell auf die Idee, dass irgendetwas schief gelaufen ist mit der letzten Stelle. Aus Sicht der Personalleiter kann tatsächlich jede Beteiligung an einem Arbeitsplatz-Konflikt als Minuspunkt für den Bewerber interpretiert werden. Bereits vor Beginn der Bewerbungsphase sollte man sich eine sinnvolle Strategie zurechtzulegen, rät Christian Püttjer. Der Wechsel von einem kleinen zu einem großen Unternehmen oder umgekehrt, kann ein berechtigter Bedürfnis sein und oder auch der Wunsch nach einem neuen Aufgabengebiet. „Es geht darum Akzeptanz zu gewinnen, deshalb sollet jedes Anliegen positiv formuliert werden“, meint Püttjer. Und darum sollte man lieber nicht schreiben: „Ich möchte nicht mehr den halben Tag mit der Archivierung von Buchhaltungsunterlagen verbringen.“ Sondern besser: „In Zukunft möchte ich gerne in einem stärkeren Maß als bisher projektbezogen arbeiten.“ Im Bewerbungsgespräch empfiehlt sich nach Püttjers Meinung eine Strategie, die er als „selektive Ehrlichkeit“ bezeichnet. Auch wenn es mächtig im Verhältnis zwischen Kollegen und Vorgesetzten geknirscht hat – zugeben sollte man das nicht. Wer über seinen letzten Arbeitgeber vom Leder zieht, wirkt schließlich schnell illoyal und unsympathisch. Besser ist es, sich auf erfreuliche Aspekte zu besinnen und diese zu betonen. |
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