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Schwierigkeiten im Job kennt sicher fast jeder. Denn wo immer Menschen zusammen arbeiten, kommt es hin und wieder auch zu Reibereien. Doch wenn
Hohe Mobbingrate im Gesundheitsbereich Die Barmer Krankenkasse geht davon aus, dass jeder neunte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens mindestens einmal gemobbt wird. "Speziell im Gesundheits- und Sozialbereich ist die Quote sogar deutlich höher", so Diplom-Sozialpädagoge Lothar Drat vom "Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e. V." aus Wiesbaden. "Hier liegt die Zahl bei etwa 60 bis 70 Prozent!" Die negativen Auswirkungen dieser ungelösten Konflikte liegen auf der Hand: Denn zum Leid der Opfer kommen geschätzte volks- und betriebswirtschaftliche Schäden in Höhe von 15 bis 25 Milliarden Euro. ... "Ich nenne hier immer gerne das Beispiel eines Automobilkonzerns, der im Endstadium der Entwicklung eines Ein-Liter-Autos steht", so Lothar Drat. "Den finanziellen Verlust durch die Arbeitsunfähigkeit eines entscheidenden Ingenieurs kann sich in diesem Fall jeder leicht ausmalen. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, mit aller Macht gegen Mobbing vorzugehen!" Auch der Chef kann gemobbt werden Als Urheber des Mobbings nennt eine Studie der IG-Metall zu 44 Prozent Kollegen, zu 37 Prozent Vorgesetzte und zu zehn Prozent Vorgesetzte und Kollegen gemeinsam. Doch auch Vorgesetzte können zu Mobbing-Opfern werden: Immerhin neun Prozent aller untersuchten Fälle wurden von Untergebenen initiiert. Ein eindeutiges Opferprofil lässt sich dabei nicht ausmachen, vielmehr kann Mobbing grundsätzlich jeden treffen. "Anders als vermutet sind es häufig weniger ängstliche oder durchsetzungsschwache Personen, die zum Opfer werden", so Lothar Drat. "Denn die spüren häufig schon sehr früh, wenn etwas nicht stimmt und weichen der Situation dann aus. Stattdessen trifft es oftmals gerade solche Personen, die als durchsetzungsstark, kreativ und innovativ gelten. Denn die unterschätzen diese frühen Warnsignale viel leichter, weil sie sie nicht von normalem Konkurrenzverhalten unterscheiden können." Mobbing ist dabei nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt, sondern kann überall dort stattfinden, wo Menschen dauerhaft aufeinander treffen. Für die Opfer bedeutet dieser geschlossene Rahmen, dass sie der Situation nicht oder nur schwer ausweichen können. Ganz allmählich ergibt sich so ein Kreislauf aus Erschöpfung, persönlichen Anfeindungen und körperlichen Symptomen, aus dem die Betroffenen ohne Hilfe von außen kaum wieder herausfinden. Oft führen die Belastungen dann zu einem körperlichen oder seelischen Zusammenbruch, zur völligen Isolation oder sogar zum Suizid. "Kann der Konflikt gelöst werden oder wechseln die Betroffenen ihren Arbeitsplatz, dann gehen bei ein bis zwei Drittel der Opfer die Krankheitsmuster zeitnah zurück", so Lothar Drat. "Umgekehrt bleiben allerdings bei zehn Prozent der Fälle ernsthafte chronische Erkrankungen mit großen Kosten für die Krankenkassen bestehen." Fließende Grenzen Zu den oben genannten strukturellen Gründen, die Mobbing befördern, gesellen sich je nach Eigenart und Charakter der verschiedenen Akteure innerhalb des Teams verschiedene individuelle Gründe hinzu. In vielen Fällen können Neid oder Mangel an Anerkennung der Auslöser sein. Weitere Gründe können sein, dass Angst vor Konkurrenz besteht oder dass (bequem) nach einem Sündenbock gesucht wird. Dabei bieten sich für die Betroffenen durchaus Möglichkeiten, gegen die Angriffe der Mitarbeiter vorzugehen. Denn obwohl Mobbing in Deutschland keinen Straftatbestand darstellt, ist es arbeitsrechtlich verboten und kann strafrechtlich verfolgt werden. In § 75 BetrVG, der die Grundsätze für die Behandlung der Betriebsangehörigen festlegt, findet sich eine ausreichende Grundlage, um gegen Mobbing vorzugehen. Und auch der Praxisinhaber ist dazu verpflichtet, die Persönlichkeitsrechte seiner Mitarbeiter zu schützen und dafür zu sorgen, dass in seinem Betrieb nicht gemobbt wird. Und das auch im eigenen Interesse. Denn wo gemobbt wird, ist in der Regel das gesamte Team in seiner Motivation und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Denn statt Motivation und Kollegialität herrschen in solchen Konstellationen oftmals Angst und Misstrauen. Schließlich muss hier ja jeder damit rechnen, als nächstes zum Außenseiter und Mobbing-Opfer zu werden. In der Praxis stellt sich für die Betroffenen jedoch zunächst häufig die Frage, wo ein normaler Konflikt oder eine Gedankenlosigkeit aufhören und wo Mobbing beginnt. "Zwei ganz entscheidende Merkmale sind auf jeden Fall die Dauer und die Zielgerichtetheit", so Lothar Drat. "Wenn ein Kollege mal nicht grüßt, dann ist er wahrscheinlich nur gedankenlos oder schlecht gelaunt. Grüßt er aber überhaupt nicht mehr und ignoriert außerdem beharrlich jeglichen Versuch, ein Gespräch zu beginnen, dann handelt es sich wahrscheinlich um gezieltes Mobbing." Entscheidend ist dabei, dass die verschiedenen Angriffe vorrangig dazu dienen, eine bestimmte Person aus der Gruppe auszugrenzen oder zu dominieren. Gegenstrategien entwickeln Häufig lassen sich die bestehenden Konflikte durch ein klärendes Gespräch aus der Welt schaffen. Findet ein solcher Austausch jedoch nicht statt oder hat sich das Problem bereits verfestigt, dann gären die Konflikte ungelöst weiter. Für die Betroffenen selbst ist dann in jedem Fall wichtig, das Erlebte nicht in sich hineinzufressen, sondern darüber zu sprechen und nach Auswegen zu suchen. Neben Gesprächen mit der Familie oder mit Freunden kann es dabei auch sinnvoll sein, sich Verbündete unter den Kollegen zu suchen, um so die festgefahrene Konstellation "Einer-gegen-alle" aufzubrechen. Denn nicht jeder, der zu den Angriffen schweigt, muss automatisch ein Beteiligter sein. Um die einzelnen Anfeindungen später gegenüber Vorgesetzten oder anderen dokumentieren zu können, empfiehlt es sich außerdem, die einzelnen Vorfälle stichwortartig aufzuschreiben. Besser ist natürlich, wenn Mobbing erst gar nicht entsteht. Vorbeugend wirkt ein angenehmes, offenes und vertrauensvolles Arbeitsklima, in dem die Mitarbeiter deutlich weniger anfällig für Stress und damit auch für Mobbing sind. Und in dem die Betroffenen im Ernstfall dazu ermutigt werden, ihre Probleme offen anzusprechen. Wichtig ist dabei, dass der Praxisinhaber offen für die Probleme seiner Angestellten ist. Denn wer den Leidensdruck der Betroffenen ignoriert oder ihm gleichgültig gegenübersteht, der spielt dem Mobbing-Täter in die Hand. Ideal ist es außerdem, wenn sich der Praxisinhaber möglichst schon im Vorfeld durch geeignete Fortbildungsmaßnahmen, Workshops oder Schulungen über das Thema Mobbing informiert. Auch präventive Team-Schulungen können die Mitarbeiter sensibilisieren und eine positive Wirkung erzielen. Der Zahnarzt als Führungskraft ist gefragt Kommt es trotz dieser Maßnahmen zu Spannungen, dann sollte der Zahnarzt bestehende Probleme möglichst frühzeitig offensiv zum Thema machen - sowohl einzeln mit dem Betroffenen als auch im Team. Im Rahmen dieser Gespräche sollte er das Opfer unterstützen und ihm gegebenenfalls Hilfe anbieten. Geeignete Maßnahmen könnten zum Beispiel eine professionelle Mobbing-Beratung, eine Kur oder eine Therapie sein. "Häufig informieren sich die behandelnden Therapeuten dann auch bei uns über den konkreten Fall, um parallel zur Aufarbeitung der Eigenanteile des Patienten auch eine konkrete Veränderung der Situation vor Ort zu erreichen", berichtet Lothar Drat von seinen Erfahrungen. Negativspirale stoppen Gleichzeitig sollte der Praxisinhaber den oder die Mobbenden konstruktiv nach den Gründen seines/ihres Verhaltens fragen und ihn/sie konsequent auf die Folgen seines/ ihres Handelns hinweisen, bei mangelnder Einsicht auch unter Androhung einer Abmahnung. Dabei ist es wichtig, sich eindeutig und unmissverständlich gegen Mobbing zu positionieren und dies im Gegenzug auch von seinen Angestellten zu erwarten. "In 70 bis 80 Prozent aller Fälle lässt sich die Situation auf diese Weise allein durch die Autorität des Vorgesetzten auflösen", so Lothar Drat. "Bleiben die Probleme dennoch bestehen, dann stecken oft tief greifende Verletzungen hinter dem Verhalten. Schon aus Gründen der Verschwiegenheit sollte sich der Praxisinhaber dann nicht scheuen, rechtzeitig professionelle Hilfe von außen für das gesamte Team durch Berater, Trainer oder Mediatoren in Anspruch zu nehmen." Oft gelingt es so, die Negativspirale innerhalb des Teams zu stoppen und die Aggressionen in positive Energie umzuwandeln. Je früher dabei eingegriffen wird, umso
Parallel zur Klärung der akuten Konfliktsituation sollte der Zahnarzt für sich und gemeinsam mit seinem Team aber auch nach den tiefer liegenden Ursachen der bestehenden Probleme suchen. Dabei sollten nicht nur individuelle Spannungen zwischen einzelnen Mitarbeitern, sondern auch eventuelle organisatorische Änderungen des Arbeitsablaufs besprochen werden. Denn in der Regel sind Mobber selbst unzufrieden oder gestresst und überlastet mit ihren Aufgaben. Wichtige Fragen lauten daher: Sind sämtliche Arbeitsabläufe gut organisiert oder müsste einiges verändert werden? Ist das Team ausreichend besetzt oder sind die Mitarbeiter eventuell dauerhaft überfordert? Führt die Arbeitsaufteilung zu Monotonie oder Stress? Sind Zuständigkeiten eindeutig geregelt? Ist die Arbeit gerecht verteilt und sind Gehaltsunterschiede zwischen den Mitarbeitern nachvollziehbar? Gibt es ausreichend Anerkennung? Müssen einzelne Mitarbeiter intensiv zusammenarbeiten, die vielleicht gar nicht zueinander passen? War die Personalauswahl richtig und lässt sich hier unter Umständen noch etwas korrigieren? Eigenbestimmung verhindert Mobbing Ganz wichtig ist es außerdem, die unterschiedlichen Tätigkeiten in der Praxis so zu delegieren, dass die einzelnen Mitarbeiter möglichst viel Handlungsspielraum haben und damit in der Regel auch weniger unter Zeitdruck stehen. "Denn die im Gesundheitswesen sehr hohe Arbeitsdichte ist einer der Gründe, warum es ausgerechnet hier so viele Konflikte und Mobbing-Fälle gibt", erklärt Lothar Drat. "Umgekehrt können wir eindeutig beobachten: Je mehr Eigenbestimmung die einzelnen Mitarbeiter haben, desto schwieriger ist es, Mobbing zu betreiben." Robert Uhde Fachjournalist Grenadierweg 39 26129 Oldenburg |
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